Translate into / Übersetzen nach / Перевести нa / 翻译成   English   に変換 / 로 번역

Konrad Ehlich, Ludwig-Maximilians-Universität München

Konzeptschatten
Zur Dialektik der Nominalbildung von „post-“

vorgestellt von Silvia Mergenthal

1. Prolegomenon

Die folgenden Überlegungen verstehen sich als Beitrag zu einer Sprachwissenschaft, die sensibel für die in Sprache auffindbaren gesellschaftlichen Spuren ist – und zugleich als Beitrag zu einer Soziologie, die sich auf die Strukturen von Sprache und ihrer gesellschaftlichen Nutzung einlässt. Dieser Beitrag bezieht sich auf ein auf den ersten Blick unscheinbares sprachliches Element, das in den mittel- und westeuropäischen Sprachen sich zunehmender Nutzung erfreut.

Zunächst wird es um die Wortbildungsmorphologie allgemein gehen (§ 2.), dann um die Präfixe (§ 3.) und um lexikalische Veränderungen, die an ihrem Einsatz ablesbar werden (§ 4.). Beispiele für die Historizität und gesellschaftliche Sensibilität von Wortbildungsverfahren (§ 5.) erlauben den Übergang zu einer „Morphologie der Abstraktion“ (§ 6.). An ihr wird – wiederum an einem konkreten Beispiel, dem Ausdruck ,meta-’ – die Unterbestimmtheit als ein wichtiges Merkmal herausgearbeitet. Diese erfordert kurze Überlegungen zu den Negationen (§ 8.) und ermöglicht so die schließliche Charakterisierung der Nominalbildung von ,post-’ (§ 9.).

2. Wortbildungsmorphologie

,post-’ gehört zu einer Gruppe von Ausdrücken, die sich in einer großen Zahl von Adjektiven (,*post* modern’) und Substantiven (,*Inter* disziplinarität’), in geringerem Umfang auch bei Verben (,*trans* zendieren’) des Deutschen finden. Sie sind sogenannte Vorsilben oder Präfixe und werden als solche in einem spezifischen Teilbereich der Linguistik behandelt, der Wortbildungslehre oder, genauer, der Wortbildungsmorphologie. Diese gehört zu den gut ausgearbeiteten Teilen der Linguistik (s. z. B. Olsen (1986), Eichinger (1994), Fleischer / Barz (1995), Motsch (1999), Donalies (2005), (2007)).

Die Möglichkeit, ein semantisches Grundkonzept durch eine Reihe von Präfixen vielfältig zu differenzieren, eignet einer Gruppe von indoeuropäischen Sprachen, zu denen das Griechische, das Lateinische und das Deutsche gehören. Andere flektierende Sprachen wie etwa das Arabische oder Hebräische bieten eine solche Möglichkeit nicht. Durch den Transfer der lateinischen Präfixbildungen in die modernen romanischen Sprachen sowie in die Mischsprache Englisch partizipieren auch diese Sprachen an solchen Möglichkeiten, letztere vor allem in Bezug auf den lateinisch-romanischen Anteil des lexikalischen Bestandes.


Die Wortbildungsmorphologie als ein gut etablierter linguistischer Teilbereich sieht ihre Aufgabe weithin in der Katalogisierung der entsprechenden sprachlichen Möglichkeiten, die eine Einzelsprache aufweist. Als Wortbildungslehre macht sie einen Teil der Morphologie solcher Sprachen insgesamt aus. Allerdings findet deren anderer Teil, die Flexionsmorphologie, meistens ein größeres linguistisches Interesse, zumal er auch einen direkteren Übergang zur syntaktischen Nutzung der jeweiligen Formen ermöglicht und so zentral zum großen Bereich der Morphosyntax beiträgt.

Die Wortbildungsmorphologie erscheint als gut überschaubar, was die Erhebung des Formenbestandes anlangt. Was hingegen die eigentliche Funktionsanalyse der entsprechenden Formen (vgl. zum Einbezug dieses Aspektes exemplarisch Fandrych 1993) betrifft, so verlieren sich die Auskünfte häufig relativ schnell jenseits einiger allgemeiner Bestimmungen z.B. zu Abstraktbildungen wie solchen, die durch Postfixe wie ,-keit’ oder ,-heit’ charakterisiert sind – wobei die Spezifizierung und damit die Rekonstruktion der Motivationen für die jeweiligen Auswahlen in einer Sprechergruppe, die den konkreten Formenbestand konstituieren und kontinuieren, schon bald die erforderliche Detailliertheit vermissen lassen.

3. Präfixe

Die eingangs genannte Präfixgruppe gehört zum Bereich der aus dem Lateinischen oder Griechischen übernommenen semantischen Bestände, zum Bereich der Fremd- bzw. Lehnwörter. Diese erweitern die lexikalisch entwickelbaren semantischen Strukturen des Deutschen erheblich (vgl. Ehlich 1989), und gerade in den bildungs- und wissenschaftssprachlichen Zusammenhängen erweisen sie sich als produktiv. Die Produktivität bedeutet zugleich aber, dass wir es hier mit einem historisch gut verfolgbaren, weil gut belegten Ausschnitt des Lexikons zu tun haben, einem Ausschnitt, der Sprache als ein sich permanent veränderndes Ensemble kommunikativer Ressourcen sichtbar werden lässt.


Wortbildungslehre wird häufig im Wesentlichen synchron betrieben. Danach „hat“ eine Sprache L eine bestimmte Menge von Formen, nach denen ihre Wörter aufgebaut sind. Viele dieser Formen erscheinen als elementar – und dann häufig als undurchschaubar. Sie sind jene Grundelemente, die semantisch durch darauf aufbauende Prozesse modifiziert und spezifiziert werden. Die Modifikationen durch Zusammensetzung und Ableitung hingegen erscheinen als in ihrer Strukturierungsweise eher durchsichtig. Die erste Gruppe, die der semantischen Grundelemente, gilt als eine Art fester Bestand, als relativ stabil und allenfalls durch Verlust bzw. durch Nutzung zweiter und dritter Quellenbereiche wie im Deutschen eben das graeco-lateinische Inventar veränderbar. Die zweite Gruppe hingegen erscheint als produktiv, als neue Wörter erzeugend, als dynamisches Ensemble oder Potential für die dauernde Erweiterung des Lexikons.

4. Lexikalische Veränderungen und Wissensstrukturen

Die Wortbildungs*muster* in ihren beiden Erscheinungsweisen werden weithin als vergleichsweise abstrakte Strukturen gesehen, die den einzelnen lexikalischen Einheiten als deren Erzeugungsmechanismen gegenüberstehen. Leicht treten die Wörter selbst dann als bloße Exemplifizierungen auf. Wortbildungslehre bleibt so gegenüber den tatsächlichen sprachlichen Veränderungsprozessen eher äußerlich. Die Dichotomisierung von Diachronie und Synchronie und die Tendenz zur Verabsolutierung der zweiten einerseits, zur bloßen Archivierung und Musealisierung der ersten andererseits lässt aus dem Blick geraten, dass gerade diese Veränderungsprozesse für das Lexikon von einer erheblichen Bedeutung sind. In ihnen realisieren sich spezifische Leistungen, die das Lexikon einer Sprache für die Wissensorganisation ihrer Nutzer vorhält. Zugleich spiegeln sie Veränderungen jener Wissensorganisation, die dann, wenn sie sich lexikalisch niederschlagen, allererst eine Qualität gewinnen, die die einzelnen, je kontingenten Diskurse übersteigt, indem sie so eine Allgemeinheit formal markiert, die den Eintritt in das Wissenssystem der die Sprache nutzenden Gruppe bedeutet.


Diese Struktur ermöglicht auch am Beispiel der gegenwärtigen Popularität des Präfixes ,post-’, Wortbildungsmorphologie im eben beschriebenen Sinn als Indikator für Veränderungen in der Wissenskonzeptualisierung zu betrachten und dabei zugleich einen Blick auf andere solche Präfixe zu werfen, die sozusagen konkurrentiell innerhalb der soziosemantischen Enwicklungen stehen. Die Popularitätsveränderungen, derer sich die Präfixnutzung erfreut bzw. die sie erleidet, zeigen großflächige Interessenveränderungen in der Strukturierung von gesellschaftlichem Wissen. Es geht hier also um einen Zusammenhang zwischen Wissenssystemen und Versprachlichung und um die je spezifische Nutzung der so erreichten Formstrukturen. Die Festlegungen und die durch die Intensität des Gebrauchs herbeigeführten semantischen Stabilisierungen werden als Ausdruck bestimmter diskursiver und textueller Praxen verstanden, die gnoseologische, erkenntnisbezogene Konsequenzen haben und sich zugleich aus bestimmten gnoseologischen Vorentscheidungen ergeben. Eine genauere Bestimmung des Verhältnisses von Wissen als gesellschaftlichem Wissen und den sprachlichen Strukturen, die für dieses gesellschaftliche Wissen unterhalten und durch es charakteristisch geprägt werden, gehört zu den Aufgaben einer Semantik, die als gesellschaftlich bezogene Methodik Wissensstrukturen gesellschaftlicher Formationen herausarbeitet und dabei die Dialektik von sprachtypologischer und gesellschaftlich-diskursiver Sprachlichkeit im Auge behält. Es geht, mit anderen Worten, um den Versuch einer theoretischen Rekonstruktion sprachlicher Formalität mit Blick auf die Funktionszusammenhänge, in denen sie sich realisiert. Das Problem, wie Semantik und Kognition miteinander in Verbindung stehen, kann ebenso wenig als hinreichend bearbeitet angesehen werden wie die Bestimmung des Verhältnisses von Semantik und „Realität“. Beides bezieht sich auf kommunikative Praxen, die Gesellschaften ausbilden und die diese Gesellschaften differenzierend aus sich heraussetzen. Die Stabilität, die eine je erreichte Formalität kennzeichnet, bildet einen wichtigen Übergangsbereich in Bezug auf das Verhältnis von Sprache und Wissen und in Bezug auf die jeweilige Organisation beider.

5. Beispiele

Die Gerinnung kognitiver Strukturen und kognitiver Verfahren zu kommunizierbaren sprachlichen Formen, also die Herausbildung spezifischer Wortbildungsmorphologien, gehört zu den wichtigsten Verfahrensweisen, wie sich Sprachen in ihrer nachvollziehbaren Geschichte differenziert haben und wie sie zu den flexiblen kommunikativen Ressourcen geworden sind, die zur Erkenntnis von Welt beitragen und die die Fixierung wie den Austausch solcher Erkenntnis ermöglichen. Offenbar gibt es dabei qualitative Stufen in der Entwicklung.


Betrachten wir einige Beispiele aus dem vorderorientalisch-europäischen Raum. Im Hebräischen können wir etwa feststellen, dass ab dem 2. Jahrhundert vor der Zeitenwende plötzlich eine Reihe von Nominalbildungsformen eine Rolle spielen, die vorher zwar angedeutet waren, die aber keine große Verbreitung im Wortschatz gefunden hatten. Es sind dies Abstraktbildungen, die über die unmittelbare Bezeichnung von Gegenständen und auch von Handlungen hinausgehen und eine weitere Stufe der kognitiven Verarbeitung als ein allgemeines Verfahren zur Verfügung gestellt haben.

Die Entwicklungen im Deutschen in Teilen der spätmittelalterlichen Theologie geben ein zweites Beispiel in der nominalen Nutzung des verbalen Infinitivs in Bezug auf Ausdrücke wie ,glauben’ oder ,lieben’, die durch in der Wortbildungslehre „Konversionen“ genannte Prozesse in einen andere Wortart überführt werden.

Ein drittes Beispiel findet sich in der Ausbildung einer Reihe von Nominalbildungen innerhalb der ersten Hochphase der griechischen Philosophie, indem operative Ausdrücke wie „poios“, ein Fragewort für ,wie beschaffen’, oder „posos“, ein Fragewort für das ,Wieviel’, in die Klasse der Substantive überführt werden, indem ihnen die Endung „-tes“ hinzugefügt wird. So entsteht die „Wie-Beschaffenheit“ oder die „Wie-Vielheit“ (so heute noch im Niederländischen als ,hoeveelheid’), oder anders gesagt, die „Qualität“ oder „Quantität“ (das Lateinische wiederholt die griechische Verfahrensweise). Das Herauslösen der Zahlhaftigkeit, der Zählbarkeit, aus dem konkreten Vorhandensein von n Elementen einer Gruppe und die Fixierung dieser Zahlhaftigkeit als eines eigenen Charakteristikums; die Bestimmung der Beschaffenheit eines Objekts als abstrakte Kennzeichnung bedeuten wichtige Schritte in der Entwicklung des Denkens und des Wissens.

6. Morphologie der Abstraktion

Die „Morphologisierung“, das Sich-Herausbilden und Festwerden solcher Formen als Formen, stellt als ein handhabbares, einsetzbares und erfordertes Verfahren Abstraktbildungen der zweiten Stufe derart zur Verfügung, dass kognitive Möglichkeiten in einer ganz spezifischen Weise „gepolt“ werden, dass sie gleichsam standardisiert vorgehalten werden als Ressource, wie Welt anzueignen ist. Als Ressource gehen sie nicht bis ins Einzelne, etwa in der Art, wie im Eigennamen eine Einzelrelation zwischen einem Einzelelement der Sprache und einem Einzelelement der Welt hergestellt wird. Diese Ressourcen ermöglichen vielmehr – als Potentiale – eine differenzierte Auslegung dessen, was wir wahrnehmen und an Wahrnehmung und in Bezug auf Wahrnehmung umsetzen, in unserem Bewusstsein. Es werden durch solche Morphologisierung übergreifende Bahnungen in diskursiven Zusammenhängen und für sie gelegt, hergestellt und verallgemeinert.


Die Ressourcenbildung-Qualität der Morphologien bedeutet, dass jene Spezifizierungen bearbeitet werden, die in präabstrakten, „einfachen“ Äußerungen sehr konkret hergestellt sind. In solchen „einfachen“ Äußerungen wird die Relation zwischen etwa einer im Verb ausgedrückten Tätigkeit und dem in Subjektposition ausgedrückten Täter oder dem im Objekt ausgedrückten Empfänger bzw. Veränderungsgegenstand konkret und damit komplex realisiert. Die komplexen Morphologien ermöglichen davon ausgehend und darüber hinaus Ausdrücke, die sich von solcher Konkretion lösen. Doch diese Loslösung bedeutet keine wirkliche Löschung des Konkreten. Seine bleibende mentale Präsenz ist aber schwer zu erfassen und zu beschreiben. Vielleicht hilft eine Metapher weiter. Wir haben einerseits eine Struktur, in der das klar Formale ausgedrückt wird. Darum legt sich eine zweite Struktur, sozusagen ein „Hof“ des Sprechens, eine Menge bildlicher Wissensbestände, und diese werden in gleicher Weise je aktualisiert wie das formalAusgewiesene. Die Unterscheidung von Denotation und Konnotation in der Lexikologie bzw. Semantik hat auf diese Doppelheit hingewiesen, ist aber die konkrete Rekonstruktion des Verhältnisses beider weithin schuldig geblieben. Der fremdsprachige Sprachlernende erfährt im Prozess seiner Sprachaneignung die Bedeutung dieser Doppelheit und eignet sich im Bezug auf die formal deutlich ausgedrückten Aspekte der Sprache erst allmählich zugleich jenen Hof an, ohne den die semantische Differenzierung nicht möglich wäre, die gerade die Leistungsfähigkeit der lexikalischen Ressourcen ausmacht.

7. Unterbestimmtheit

Was mit der Metapher des Hofes ausgedrückt werden soll, bezieht sich auf etwas, was sich charakteristisch von dem, was unmittelbar formal verdeutlicht wird, unterscheidet. Die Hofbildung bezieht sich auf eine diffus, aber deswegen nicht weniger wirksame Menge möglicher semantischer Assoziationen, und die Strukturierung des Lexikons gewinnt dadurch eine gewisse Unterbestimmtheit, an der die Mitglieder der jeweiligen sprachlichen Gruppe teilhaben, nicht muttersprachliche Lernende hingegen in viel geringerem Grad und so, dass sie sich in dieses jeweils „Mitverstandene“ mühsam hineinfinden müssen.

Solche Unterbestimmtheit spielt nun gerade bei den Präfixen eine wichtige Rolle. Es reicht nicht, deren semantische Funktionalität einfach als Allgemeinbestimmung anzunehmen, sondern es geht um die Rekonstruktion der Kombination von Formalität einerseits und diesem darum gelagerten „Hof“ andererseits. Dies gilt vor allem für die Theoriesprache. In ihr wird – geradezu von ihren Anfängen an – mit derartigen Präfixen gearbeitet.

8. ,meta-’

Dies zeigt sich z.B. an dem Präfix ,meta-’, dessen sicherlich wichtigste Nutzung im Konzept der „Metaphysik“ vorliegt. Die genaue Geschichte des Ursprungs dieser Verwendung ist im Einzelnen nur noch schwer aufzuhellen. Die griechische Präposition „meta“, von der hier Gebrauch gemacht wird, hat in sich ein durch unterschiedliche Kasusnutzung differenziertes Bedeutungsspektrum. Eine dieser Bedeutungen enspricht dem deutschen ,nach’. In „übertragener“ Verwendung geht dies über in „über etwas hinaus“. So behandelt die „Metaphysik“ das, was über die aristotelische „Physik“ hinausgeht. Eine triviale Entstehungsgeschichte sieht dieses „über die Physik Hinausgehende“ ganz äußerlich, unter Bezug auf die aristotelischen Bücher, die sich an die „Physik“ anschlossen. Andronikos von Rhodos (ca. 70 v. Chr.) habe „in seiner Anordnung der aristotelischen Schriften „hinter den Büchern über die Natur“ (meta ta physika) die Abhandlungen zur „Ersten Philosophie“ gestellt“ (Schulz 1960, Sp. 908). Selbst wenn man dieser Entstehungsgeschichte Glauben schenken will, so ist auch in dieser Weise ein Übergang bezeichnet, der den inhaltlichen gut indiziert. Die „Metaphysik“ behandelt die theoretischen Grundlagen des Wissens überhaupt. Sie „trans-zendiert“ das übliche Wissen – und jenes „trans-zendieren“ enthält das selbe Element, nun freilich in seiner lateinischen Form.


In der Theoriebildung des 20. Jahrhunderts wird das Bildemodell in einer zunehmend inflationären Weise verwendet. Hatte David Hilbert 1920 eine „Metamathematik“ entwickeln wollen, so verzeichnet der britische wikipedia-Eintrag heute über 30 unterschiedliche „common uses“ vergleichbarer Präfigierungen für die englische Sprache, von der (ins Deutsche übertragen) „Metaethik“ über die „Metaheuristik“ bis zur „Metapolitik“ und zum „Metatheater“. Am Präfix ,meta-’ lässt sich geradezu exemplarisch also ein Denkerfordernis ablesen, das durch die Präfixressource in einer spezifischen Weise befriedigt wird. Die aus den räumlichen Beziehungen entwickelte abstrakte Bedeutung bearbeitet zwei unterschiedliche Aufgaben: Einerseits wird mit dem zweiten Bestandteil ein Wissens- und damit ein Sachareal angesprochen, das eine spezifische Charakteristik für die Semantik des ganzen Ausdrucks vorgibt. Andererseits ist dessen Übersteigung zugleich ein Stück Negation. Beides zusammen ermöglicht also eine vektorielle semantische Bestimmung, die eine Bewegung weg von einem Ausgangspunkt über diesen Ausgangspunkt hinaus beschreibt. Wohin sich die Bewegung bewegt, bleibt hingegen unbezeichnet.

9. Negation

Ein solcher semantischer Prozess steht also im größeren Kontext der Verfahren zur Negation. Diese enthält als sprachliche Struktur dasjenige, dem die Existenz oder die Wahrheit abgesprochen werden soll, immer noch in sich. Insofern ist die Negation ein durchaus dialektisches Verfahren – was mental nicht unerhebliche Konsequenzen haben kann, wie gerade die Psychoanalyse im Einzelnen aufgewiesen hat (vgl. Ehlich (2007)).


Indem dieses Verfahren geradezu massenweise angewendet wird, realisiert der Sprachgebrauch zugleich eine charakteristische gnoseologische Befindlichkeit. Dieser Gebrauch ist Ausdruck einer Wissenskonfiguration, die sich selbst im Horizont vorgängigen Wissens sieht und dies auch in der Verwendung des Präfixes erkennbar macht. Es ist eine Wissenskonfiguration der zweiten, vielleicht sogar der n-ten Stufe, eine Konfiguration, die die Wissenswelten der einfachen Setzungen hinter sich gelassen hat und deren Erkenntnismethodologie gerade in der Abarbeitung dieser Differenz ihren spezifischen Ausdruck findet.

10. ,post-’

Wenn wir, durch das Beispiel auf derartige komplexe Wissensprozesse aufmerksam geworden, uns den Diskursen der letzten Dezennien zuwenden, so finden wir eine ähnlich intensive Nutzung des Präfixes ,post-’: die „Postmoderne“, den „Postkommunismus“, den „Poststrukturalismus“ usw. Das hier verwendete Präfix ,post-’ ist ein lateinisches, das zunächst einmal nichts weiter bedeutet als „nach“. Dieses „nach“ ist nun freilich nicht nur räumlich , es ist – jedenfalls in den genannten Präfixbildungen – primär zeitlich . Es kommt in diese Wortbildung also eine zeitliche Dimension hinein – und im dazugehörigen „Hof“ wird ein Konzept von Verhältnis, von Ablauf hergestellt. Auch hier kommt es nicht zu einer eigenen neuen Konzeptbildung, die durch einen Basisterm bezeichnet würde, einen Term wie „Strukturalismus“, „Kommunismus“ oder auch „Moderne“. Dem Strukturalismus schließt sich etwas an, was nicht zur eigenen Benennung führt, was vielmehr nur durch die chronologisch bestimmte Negation seines Ausganges erfasst werden kann. In dieser Dialektik aber bleibt das, was durch das zeitliche „hinausgehen über“ überschritten werden soll, genauso präsent wie alles Negierte im Prozess der Negation. Das, um dessen Überwindung es geht, bleibt als sein Schatten präsent: Die Anwendung des Präfixes ,post-’ auf Nominalbildungen auf ,-ismus’ oder auf eine Substantivierung wie ,Moderne’ bezieht sich auf jeweilige Konzepte bzw. Konzeptkomplexe. Die Präfixbildung ,post-’ lässt diese Konzepte in einer spezifisch abstrakten Form, als gleichsam verblassende präsent, als Konzeptschatten . Das, worum es in der Präfixbildung geht, ist seinerseits nur als Prozess vorstellbar, als ein Prozess, in dem die Überwindung von zuvor Gedachtem programmatisch proklamiert wird, ein Prozess freilich, in dem diese Proklamation sich zu keiner eigenständigen konzeptionellen Innovation fähig zeigt. Die Verve der Negation überdeckt die Schwäche des Verfahrens, der Konzeptschatten ereilt den, der sich von ihm lösen will, je neu.


Die intensive Nutzung des Präfixes ,post-’ lässt gleichfalls eine spezifische konzeptionelle Befindlichkeit erkennen. Auch hier handelt es sich um ein sozusagen alexandrinisches Syndrom: Die Absatzbewegung von allem, was in geringerer oder größerer Deutlichkeit im allgemeinen Bewusstsein vorhanden ist und zu Termini für Konzepte gerann, macht seine Wirksamkeit über die Momente seiner vermeinten Abschaffung hinaus erkennbar. Der semantische Hof schlägt gleichsam in das Konzept selbst zurück.


Vergleichbare Verfahren sind in anderen Zeiten sichtbar, so mit Ausdrücken wie ,vor-’ oder ,nach-’. Mittels solcher Präfixbildungen werden Geschichtskonstruktionen geleistet, so etwa wenn in der Kirchengeschichte den „Reformatoren“ des 16. Jahrhunderts „Vorreformatoren“ wie Hus, Petrus Valdus oder Wyclif gleichsam „vorgeschaltet“ werden, oder wenn Epochen als „nach-napoleonisch“ oder „nach-revolutionär“ charakterisiert werden. Die im jeweiligen Grundelement ausgedrückten Ereignisse, Personen, Strukturen sind es, die in solchen Konstruktionen ihre dauerhafte Präsenz im Modus der Negation entfalten. Die Nutzung des sprachlichen Verfahrens der Präfigierung dient der Realisierung ganzer Geschichtsbilder und Denkbilder und damit der Stabilisierung gnoseologischer Orientierungssysteme, die gerade sich solcher scheinbar einfachen sprachlichen Verfahren bedienen, um ihre Wirksamkeit im semantischen Haushalt ihrer Nutzer zu verankern und zu festigen.


Gerade die aus dem Lateinischen und dem Griechischen entlehnten Präfixe ermöglichen aufgrund ihrer weiten Verbreitung in der Nominalbildung verschiedener europäischer Sprachen und ihrer Nutzung in den darauf basierenden Wissenschaftssprachen eine schnelle Zirkulation entsprechender Negationsprozesse. Sie erlauben einfache Transfers und sind so ein wichtiges Mittel für die Verallgemeinerung gnoseologischer Befindlichkeiten. Der erhebliche Bedarf an Neuem in der Konzeptbildung erfährt so eine sprachlich präformierte Befriedigung, deren reine Geschwindigkeit und schnelle Ablösbarkeit und Ersetzbarkeit in der immer neuen Anwendung desselben morphologischen Verfahrens die Reflexion der Prozesse, aus denen sie bestehen, weder nahelegt noch gar verlangt.

Angeführte Literatur

  • Elke Donalies (2005, 2. Auflage) Die Wortbildung des Deutschen. Ein Überblick. Tübingen: Narr
  • Elke Donalies (2007) Basiswissen Deutsche Wortbildung. Tübingen: Narr (UTB)
  • Konrad Ehlich (1989) Greek and Latin as Permanent Resources for Terminology Formation – the German Case. In: Florian Coulmas (ed.) Language Adaptation. Cambridge: Cambridge University Press, 135-157
  • Konrad Ehlich (2007) Zur Struktur der psychoanalytischen “Deutung”. In: ders., Sprache und sprachliches Handeln, Band 3 (I 5), Berlin, New York: de Gruyter, 223-241
  • Ludwig M. Eichinger (1994) Deutsche Wortbildung. Heidelberg: Groos
  • Christian Fandrych (1993) Wortart, Wortbildungsart und kommunikative Funktion. Am Beispiel der adjektivischen Privativ- und Possessivbildungen im Deutschen. Tübingen: Niemeyer (RGL 137)
  • Wolfgang Fleischer, Irmhild Barz (1995, 2. Auflage) Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. Tübingen: Niemeyer
  • Wolfgang Motsch (1999) Deutsche Wortbildung in Grundzügen. Berlin, New York: de Gruyter
  • Susan Olsen (1986) Wortbildung im Deutschen. Stuttgart: Kröner
  • Walter Schulz (1960) Artikel „Metaphysik“. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Auflage, Band IV, Sp. 908-913
  • Wikipedia engl., Art. „Meta“, abgerufen 21.10.09

Kommentar

Two preliminary remarks: I was asked to present Konrad Ehlich's paper because one of my research interests is in post-colonial literature, so the idea presumably was that we've at least got 'post' in common; what was ultimately more helpful, though, was having sat in, over the years, on literally hundreds of state exam orals, which involves listening to dozens of candidates talk about English morphology. So this paper is dedicated to them.

And secondly: what will follow is for the greater part a straightforward translation, or perhaps adaptation, as I'll normally use English rather than German examples. Which is also why I don't normally say 'according to Ehlich, this, that, and the other', but pretend that I am he, sort of; I shall, however, clearly mark those passages where I was either lost, or got side-tracked, in translation – and, of course, where I have questions or comments. And now: here goes.

Preliminary Remarks

The following paper is intended as a contribution both to a linguistics which acknowledges the social aspects of language, and to a sociology which is interested in linguistic structures and in how they are used. It will focus on a linguistic phenomenon which is, at first glance, quite inconspicuous, but which has been employed with increasing frequency in Central and Western European languages. The argument will proceed as follows: the first part of the paper is dedicated to word formation processes (as one of the two main branches of morphology, the other being inflectional morphology) in general; second, one particular word formation process, prefixation, will be singled out, and the changes in the lexicon which prefixation indexes will be dis cussed. Third, examples of the historicity of word formation processes, and their sensitivity to social change will lead to what can be called a 'morphology of abstraction'. In a fourth step, it will be shown, once again using an example, the prefix 'meta', that a characteristic feature of this 'morphology of abstraction' is its indeterminacy, or vagueness. This necessitates, fifth, a detour to the role of negation in word formation processes generally, which sixth, and last, takes us to a survey of the characteristic features of nouns with the prefix 'post'.

Word Formation Morphology

'Post', 'inter', and 'trans' are components which can be found in English adjectives (post- modern), in nouns (inter disciplinarity), and, less frequently, in verbs (to trans cend). They are prefixes, and are studied in the context of morphology, specifically, as examples of word formation processes. In a number of Indo-European languages, including Greek, Latin, and German, a basic semantic unit can be modified by adding affixes to it. While other inflected languages like Arabic or Hebrew do not have this linguistic resource, it can be found in modern Romance languages, which it entered by way of Latin, and also in English, especially in the Latin- and/or French-derived part of the English lexicon.

As has already been explained, word formation is one of the two main branches of morphology, the other being inflectional morphology; by and large, it is the latter to which linguists are more attentive, as inflection can also be studied from the point of view of syntax. Word formation morphology usually restricts itself to compiling inventories of word formation resources which individual languages do – or do not – possess; however, when it comes to explaining what the role and purpose of these resources might actually be, morphologists tend to content themselves, for the most part, with rather vague statements regarding, for instance, the 'abstract' quality of nouns with suffixes such as 'ity' or 'tion'). As yet, they have failed to provide detailed reconstructions of why speakers make linguistic choices which create and preserve forms such as – well, continu*ity* and preserva*tion* .

Prefixes

Prefixes like 'post', 'inter' or 'trans' belong to a group of semantic units which came into English, at different times in its history, through borrowings from Latin and Greek. These borrowings have considerably broadened the semantic resources of English, and they have been particularly productive in the domains of science and culture. This productivity also means that borrowings of this type constitute a lexical field the development of which has been well documented across its history, so that it is through these borrowings that language can be shown to be a set of communicative options which are, as it were, in a permanent state of flux.

Approaches to word formation processes are usually synchronic. A given language is regarded as 'having' a finite number of patterns on which its words can be formed. Many of these patterns appear to be elemental – which also makes them difficult to analyze. Although some of these elemental patterns will occasionally vanish from the lexicon, for instance because they have been replaced by borrowings from Latin or Greek, they are usually regarded as constituting a comparatively stable entity. By contrast, words formed on the basis of these elemental patterns through derivation or compounding seem to be much more transparent in their shapes and forms; this segment of the lexicon is also seen as more productive as far as generating new words is concerned.

Changes in the Lexicon and Structures of Knowledge

Both derivation and compounding are usually taken to be fairly abstract structures on the basis of which new semantic units can be formed. These semantic units, in other words, these words are then used as mere examples of the morphological processes which brought them into being. Morphology thus confines itself, as it were, to the mere outer, physical shape of words, but does not, as a rule, address linguistic change as such. This tendency is aggravated by the fact that diachronic and synchronic approaches to language are now well-nigh irreconcilable, as synchronic approaches have become increasingly more absolutist, and diachronic approaches seem to be solely concerned with retrieving and preserving older linguistic forms. In the process, actual linguistic changes, and their enormous impact on the lexicon, are largely ignored. However, it is these linguistic changes which both respond to transformations in the structures of knowledge among the users of a language, and facilitate these transformations: and it is only when transformations in the structures of knowledge are reflected in the lexicon of a language that the terms which individual and contingent discourses use become general, and thus the property of, potentially, every speaker of that language.

If word formation morphology does take historical change into account, it can then isolate a prefix like 'post' and study whether, and how it is used in word formation processes indicates transformations in the structure of knowledge, especially as 'post' competes with other prefixes for its role in socio-semantic developments. In other words, what is at stake here is the interconnectedness between structures of knowledge, their linguistic realizations, and the repertoire of morphological processes which is activated in these realizations. The choices which users make from among this repertoire, choices which become more and more semantically habitualized the more often they are made, can be seen as expressions of discursive and textual practices. As has already been suggested, these practices are both the product of transformations in the structures of knowledge and impact on them. The question of how precisely the structures of knowledge in a given society and the language it has to express them are related to one another must be addressed by a semantics which analyses the structures of knowledge in this society; this semantics will have to pay attention to both the systemic resources of a language, and to how the speakers of the language realize these resources discursively. In other words, this type of semantics aims at a theoretical reconstruction of word formation processes in the functional context in which they occur. After all, the problem of how semantics and cognition can be related to one another has so far remained as unsolved as that of the relationship between semantics and 'reality'. Both relationships involve practices of communication which societies establish and which they use to mark both internal distinctions and differences to other societies (or to their own society at an earlier stage of its development). Hence, the consolidation which a given type of word formation process achieves marks an important step in these relationships.

Examples

Historically, the way in which structures of knowledge came to be expressed in language, and specifically, the emergence of certain word formation processes, have been among the most important strategies by which languages distinguish themselves from one another and turn into flexible communicative resources which help human beings perceive their environment, and share their perceptions with one another. This development moves through qualitatively distinct stages.

In the following, we will look at three examples of processes of abstraction taken from the Middle East and Europe: in Hebrew, in the second century B. C., there was a sudden increase in noun formation processes. These processes had already existed as potentials in the language, but they had not actually played an important role in the lexicon. Now, suddenly, new nouns were generated which did not directly refer to objects or actions, but which denoted concepts, thus providing a resource for levels of cognitive abstraction. Similarly, in Middle High German theological treatises, infinitives like 'lieben' (to love) or 'glauben' (to believe) changed category and became nouns. Finally, in the first golden age of Greek philosophy, the suffix 'tes' is added to interrogative particles such as 'poios' (how) and 'posos' (how many); this gives us the Greek equivalent of 'how-ness' and 'how many-ness', or – as Latin repeated the same process later – of quality (from qualis), and quantity (from quantus). To recognize that there are groups of things which can be counted, like sheep, and to identify countability as a characteristic feature of these groups, or to mark the properties of a thing – if we stay with sheep, their wooliness, their stupidity and so on – as somehow distinct from the thing (the sheep) itself: these are important stages in the history of cognition and knowledge.

  • The Morphology of Abstraction

Morphologization, that is, the emergence and consolidation of word formation processes, provides serviceable patterns for the development of abstract concepts so that cognitive possibilities can be realized and deployed in very specific ways, to the point where they become standardized tools of perception and cognition. In other words, these abstract concepts, unlike for instance proper names, do not denote a one- to-one relationship between one specific linguistic element – Silvia Mergenthal – and one specific object, me: instead, they change the way in which we process, mentally, what we perceive around us. They thus create paths of generalization in and between discrete discursive contexts.

In pre-abstract, 'simple' utterances the relationship between the activity expressed in a verb, the agent who performs this activity, and the object at which it is directed is concrete, albeit realized in complex morphological forms. These complex morphological forms, however, also allow for the possibility that the relationship between activity, agent, and object which is to be described can be less concrete, or more abstract – which is where morphologization, which works with and on the basis of concrete, pre-abstract, 'simple' expressions comes into play. However, while abstract concepts which result from morphologization never quite lose their connections to their humble, concrete and pre-abstract, origins, the precise nature of the continuing mental presence of these origins is extremely difficult to conceptualize and describe. Perhaps a metaphor will help us here.

So far, things have gone swimmingly – with the usual effect that what is much more complex in German sounds comparatively straightforward in English, which is why a lot of people, even people whose native language is German, read German phil osophers in English translation: but now, of course, we realize that the German metaphor which Konrad Ehlich has chosen – that of Hof , as in the yard surrounding a building, but also as in the halo surrounding the moon – does not quote work in English. I have decided to go for halo , which retains, as we shall see, the original idea, of something less clearly defined surrounding something more clearly defined, but which changes, well – the halo of the argument. Q. E. D.

On the one hand, we have what Ehlich calls a verbal structure with a clearly defined form (a semantic unit? ). On the other, this structure is surrounded by a halo of knowledge stored in the shape of images; in communication, it is not just the first, the verbal structure with the clearly defined form, which is retrieved and realized, but also the halo of images surrounding it. In lexicology or semantics, this phenomenon has been conceptualized as the distinction between denotation and connotation, but the precise nature of the relationship between these two has, as yet, not been described satisfactorily. In second language acquisition, learners will come face to face with this denotation/connotation doubling, and will only very slowly learn to discern the halo, alongside the word which is surrounded by it; without the halo, however, the kind of semantic differentiation which makes linguistic resources so efficient is impossible.

Indeterminacy, or Vagueness

The metaphor of the halo is meant to refer to something which is characterized by its difference from a verbal structure with a clearly defined form, namely to a diffuse, but nevertheless extremely potent, set of associations. Because of the presence of halos, the lexicon of a language becomes, to an extent, indeterminate or vague. While this indeterminacy or vagueness is experienced by everyone who uses a given language, non-native speakers of that language will be rather less aware of it, and will find it extraordinarily difficult to acquire the 'co-meant' dimensions of a word or phrase. In particular, indeterminacy or vagueness is an important feature of prefixes. It is not enough to take their semantic purpose of abstraction or generalization into account, but one also needs to reconstruct the link between the word which is formed by prefixation, and the halo which surrounds it – and I suppose one would have to add at this point, in the light of the examples which will follow – the halo surrounding the verbal entity, often a preposition, from which the prefix in question was originally derived.

'meta'

For an example, then, we turn to the prefix 'meta', as used, most prominently, in the concept of 'metaphysics'. The origins of this particular concept are difficult to reconstruct in detail. The Greek preposition 'meta', from which it is derived, has a whole range of meanings, including 'after', 'beside', 'among', and 'with', though some of these meanings depend on which case the preposition is used with. 'Metaphysics', then, would then deal with something which, quite simply, comes 'after' or lies 'beyond' Aristotelian physics, as in the arrangement, by Andronikos of Rhodes (ca 70 B. C.), of the writings of Aristotle, in which Andronikos is said to have placed the treatises on 'First Philosophy' (which was Aristotle's own term for the subject matter of the volume we know as 'Metaphysics', presumably indicating their role in the philosophical curriculum) after the 'Books on nature' (meta ta physika). While this story may or may not be apocryphal, it does indicate a kind of transition from one subject matter to another: Aristotle's 'metaphysics' deals with the theoretical foundations of knowledge, thus 'transcending' knowledge as such – and 'transcend', of course, contains the equivalent verbal component of 'meta' in Latin, the prefix 'trans'.

In 20th century scientific discourse, this type of word formation was used in an increasingly inflationary fashion. Whereas, in 1920, David Hilbert merely wanted to develop what he called 'meta-mathematics', the English Wikipedia entry on 'meta' now lists more than 30 words with this prefix, including 'meta-heuristics', 'meta-ethics', 'meta-politics', and 'meta-theatre'. At this point, of course, I retraced Ehlich's journey into the world of Wikipedia, and came up with words like 'meta-answer' – 'how are you today?' – 'this is not a good question' – and 'meta-emotion', as in an individual's emotion about his/her own basic emotion. More usefully, perhaps, the site also contains a reference to Douglas Hofstadter's 1978 volume Gödel, Escher, Bach , from which the title of this presentation is taken: Hofstadter also uses 'meta' as a stand-alone word, both as an adjective and as a directional preposition, as in 'going meta', a term he coins for the old rhetorical trick of taking a debate to another level of abstraction; Hofstadter's use of 'meta' also stresses the self-referential properties of the words in which it occurs – an aspect which, as we'll see, does play a role in Ehlich's analysis of 'meta' words, but is not made explicit there.

The prefex 'meta', then, indicates that there is a specific intellectual need which is met by this linguistic resource in a quite specific – and indeed exemplary – fashion: the abstract meaning, which has its roots in a primarily spatial (though surely also temporal ) relationship, now serves two different purposes: the second component of each word – physics or mathematics, for instance – refers to a scientific domain. The prefix 'meta' suggests, first, that this domain has been – and here we need to turn to the Latin equivalent again – transcended ; at the same time, this domain is also being rejected, or negated. Taken together, transcendence and negation acquire a vectorial semantic quality, that is, they indicate a trajectory, a movement away from, and beyond, a certain point. What remains unspecified, and indeed unarticulated, is the direction this movement will eventually take.

Negation

Semantic processes like those which have just been described can be situated in the wider context of processes of negation. These still contain, in their linguistic structures, that which is being negated, which is also why they can be regarded as dialectical, with sometimes serious psychological consequences, as psycho-analysis has shown (it isn't raining yet) . If these processes are used frequently, as in our day and age they are, they can be regarded as symptoms of a particular epistemological – or gnoseological – condition, namely, that – as indicated by the prefix 'meta' – we habitually consider what we know against the background of that which has been known for a long time. The resulting structure of knowledge can be described as knowledge to the power of 2, or perhaps even of n , that is, knowledge which has left the world of scientific certainties behind and which finds its specific methodological expression in its avowed departure, and difference, from these certainties. This is where I think the self-referential properties of this structure of knowledge might have been made more explicit.

'post'

We now turn to the prefix 'post', which, over the last couple of decades, has become as popular as 'meta', for instance in 'postmodern', 'post-communist', 'post-structuralism' and so on. The Latin preposition 'post', just like the Greek 'meta', can mean 'after', but while 'meta', as we have seen, mainly denotes spatial relationships, 'post', certainly when used as a prefix, has a marked temporal dimension; in other words, its 'halo' implies a temporal sequence of before and after. [though I wonder, at this point, whether we do not also need to address the question as to how 'meta' and 'post' do actually differ from one another: why do we not talk about 'meta-modernity', or 'post-mathematics'? Or, for that matter: what about post-post-modernism? And is there such a thing as 'meta-meta ethics'?]

However, in the cases of both 'meta' and 'post', 'that which does come after' is not actually named, that is, there is no new term which would correspond to 'modern', 'communist', or 'structuralism', respectively. Instead, what comes after 'structuralism', for instance, is something which can only be expressed through the negation of its (temporal) point of origin. Once again, as in negation processes generally, the prefix 'post', attached to nouns ending in 'ism' – as in post-structuralism, or post-modernism – retains the concepts to which it refers in the shapes of their own ghosts, or shadows. And once again, we are faced with a specific structure of knowledge which – as in the case of 'meta' – can be called the 'Alexandrinian syndrome': while we reject that which has more or less become common knowledge and has, as it were, turned into the epistemological equivalent of a dead metaphor, these epistemological certainties – the dead metaphors – remain potent, in spite of, and beyond, their supposed negation. To return to our – no, my – own metaphor of the halo: it, and the concept which it supposedly envelops, have actually blended into one another.

Other examples of these morphological processes can be found elsewhere, for instance the prefixes 'pre' and 'post' in historiography which are used to transmit, and to establish in the semantic economy of a given language and its users, quite specific notions of historical progress, as when Jan Hus, Petrus Valdus and Wyclif become 'pre-Reformation theologians' or when a period is labeled 'post-Napoleonic' or 'post-revolutionary': the verbal components to which these prefixes are attached – or rather, the persons, events, or structures which these components denote – all retain their ghostly, or shadowy, presences in these constructions, through the mode of negation. [1] [With regard to a term like 'post-colonial' – which I do need to drag in here in order to justify my presence at this conference, this continued, shadowy or ghostly, presence is actually quite helpful, as the term hovers, as it were, between two different meanings: anything which happens after the initial contact between colonizers and colonized, and anything which happens after the end of colonization; in both cases, the shadow of colonialism is not only present in the actual word, but also in the – cultural, political, economic, social – conditions which it denotes. The same applies to terms like 'post-communism' or 'post-traumatic stress disorders'.]

To conclude: it is, in particular, prefixes borrowed from Latin or Greek which, as they are widely represented in nouns across a number of European languages and in the scientific and cultural domains which these languages contain, allow for the rapid circulation of the processes of negation which have been described here. They can be transferred easily and are thus important vehicles for the dissemination of structures of knowledge. The need to create new epistemological concepts can thus be met by a readily available repertoire of morphological processes which can be applied so quickly and effortlessly that we often do not think twice – or, for that matter, once – about them.

[1]Diese Passage, auf die sich Herr Ehlich in seiner Replik bezog, hatte ich ursprünglich so übersetzt: "Other examples of these processes can be found elsewhere, as with the prefixes 'pre' and 'post' in historiography where, for instance, Jan Hus, Petrus Valdus and Wyclif become 'pre-Reformation theologians', or a period is labelled 'post-Napoleonic' or 'post-revolutionary': the verbal components to which the prefixes are attached – or rather, the events, persons, or structures which they denote – all retain their ghostly, or shadowy, presences in these constructions, in the mode of negation. In these constructions, 'pre' and 'post' are used to transmit specific notions of historical progress, and thus systems of knowledge, which exploit these deceptively simple linguistic processes in order to establish themselves in the semantic economy of a given language, and of its users."