Translate into / Übersetzen nach / Перевести нa / 翻译成   English   に変換 / 로 번역

Cornelia Ruhe, Universität Konstanz

Das Konzept der Übersetzung in Jurij Lotmans Kultursemiotik

vorgestellt von Charlton Payne

Cada texto es único y, simultáneamente, es la traducción de otro texto. Ningún texto es enteramente original porque el lenguaje mismo, en su esencia, es ya una tra­duc­ción: primero, del mundo no-verbal y, de­spués, porque cada signo y cada frase es la traducción de otro signo y de otra frase. Pe­ro ese razonamiento puede invertirse sin perder validez: todos los textos son ori­gi­na­les porque cada traducción es distinta. Ca­da traducción es, hasta cierto punto, una invención y así constituye un texto único.

—(Octavio Paz, „Traducción: Literatura y Literalidad“ [1] )

Die Kulturwissenschaften erfreuen sich in den letzten Jahren einer erstaunlichen Proliferation an so genannten turns . So wendet man sich von der Linguistik weg, hin zur Performanz, zu Reflexivität, zu Ikonizität, aber auch zu Postkolonialismus, Übersetzung und Konzepten des Raums. Doris Bachmann-Medick fasst in ihrem Band Cultural Turns diese „Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften“ (so der Untertitel) zusammen und geht in der Tat - in dieser Reihenfolge - von einem postcolonial turn , einem translational turn und einem spatial turn aus [2] . Zwar argumentiert sie einleuchtend, damit einen „methodennahen“ Zugang zum Wandel der Denkordnung gefunden zu haben, zu den „operativen Zugängen und Konzepten sowie […] Analysekategorien“ [3] , dennoch erscheint die strikte Unterteilung in einzelne Wenden zumindest problematisch. Bachmann-Medicks Text unterschlägt diese Problematik nicht, wenn sie z. B. einräumt, sowohl der translational als auch der s*patial turn* verdankten sich „postkoloniale[n] Impulse[n]“ [4] . Sowohl an der Konjunktur des Begriffes der Übersetzung als auch an derjenigen des Raums ist maßgeblich die postkoloniale Theorie beteiligt, die bereits frühzeitig auf die Bedeutung dieser Kategorien hingewiesen hat und sie zum Teil zum essentiellen Bestandteil ihres Analyseinventars gemacht hat [5] . Gleichzeitig sorgt die vergleichsweise starke politisch-ideologische Gebundenheit des Postkolonialismus-Kon zepts immer wieder auch für Vorbehalte gegenüber dem ihm entlehnten Vokabular.

In diesem Zusammenhang lassen sich einige der Besonderheiten der Kultursemiotik Jurij Lotmans exemplifizieren. Einerseits sorgt seine eigene periphere Situation an der Universität Tartu im akademischen Diskurs der Sowjetunion für eine argumentative Ausgangsposition [6] , die der vieler postkolonialer Theoretiker in ihrem Verhältnis zu den (post)kolonialen Zentren ähnelt. Im Gegensatz zu ihnen, die wie Homi Bhabha, Edward Saïd und Gayatri Spivak alle an westlichen Universitäten lehren oder lehrten, bleibt Lotman allerdings bis zu seinem Tod in Tartu und damit an der Peripherie eines Systems, das sich erst in den letzten Jahren seines Lebens wenigstens momentan selbst als peripher zu verstehen beginnt. Dieses tatsächliche Beibehalten der peripheren Perspektive verschafft ihm gegenüber anderen Theoretikern insofern einen Vorteil, als es gerade dieses Verharren in einer Randlage ist, das viele gerade postkoloniale Thesen zum Thema haben.

Andererseits sind die Texte Lotmans möglicherweise aufgrund der Prekarität seines akademischen Status in der Sowjetunion nicht als im eigentlichen Sinne ideologisch zu bezeichnen. Den bisweilen kämpferische Impetus, der den Schriften etwa von Spivak, Bhabha oder auch Stuart Hall innewohnt, sucht man in seinen Texten vergeblich. Im Gegensatz zu ihnen muss er nicht „den Spagat zwischen einem kulturwissenschaftlichen Theorieansatz und einer Praxis kulturell-politischer Artikulation bewältigen“ [7] . Seine Analysen literarischer Texte, mit denen er die Anwendbarkeit seiner Thesen zu Prozessen kultureller Entwicklung transparent macht, sind auf der einen Seite denen seiner postkolonialen Kollegen ähnlich. Auch Saïd und Bhabha sind Literaturwissenschaftler und verweisen immer wieder auf Beispiele aus der Literatur. Auf der anderen Seite ist der Bezug ihrer Texte zu den politischen Gegebenheiten in einer zunehmend komplexer werdenden Welt nach dem Ende der Kolonialherrschaften stets präsent.

Nun liegt der Vorzug Lotmans gewiss nicht nur darin, dass er sich allzu offensichtlicher politischer Argumente enthält. Vielmehr sind die Konzepte und Räume, mit denen er seine Thesen belegt - bei aller Ähnlichkeit auch mit dem Instrumentarium des Postkolonialismus -, dynamisch und in ständiger Bewegung begriffen. Was einst Zentrum war, kann jederzeit zur Peripherie werden. Territorien, von denen aggressive Impulse ausgingen, können zu Opfern der bislang Unterlegenen werden. Bezeichnend ist, dass für Lotman nicht die Kategorien von Aggressivität und Passivität, Macht und Ohnmacht, Tätern und Opfern zentral sind, sondern er einzig auf die kulturelle Dynamik der analysierten Prozesse abhebt [8] . Zwar ist auch für ihn Macht ein zentraler Faktor, die Zentren der Macht unterliegen allerdings beständigem Wandel [9] .

Die Kultur bildet für Lotman die Voraussetzung für die Entstehung neuer Informationen - auf der Basis von mehr oder weniger gelungen Übersetzungsprozessen -, aus denen sie sich gleichzeitig speist. Der Raum, in dem sie sich dabei entfaltet, ist die Semiosphäre.

Lotmans Beschreibung der Semiosphäre bleibt gewollt unscharf. Ist sie einerseits der konkrete, auch geographische kulturelle Raum, so ist sie andererseits der mit den Mitteln der Topologie schwerer dingfest zu machende „gesamte semiotische Raum einer Kultur“ [10] . Ebenso wie Lotman die semiotischen Strukturen des Intellekts auf die Kultur abbildet, so lassen sich für ihn literarische Texte, kulturelle Phänomene und die Entwicklungen ganzer Kulturen in fruchtbarer Weise analog setzen. Verbunden sind die jeweiligen Systeme einerseits durch eine gemeinsame Sprache, die hier, darauf weist auch Andreas Schönle hin, weniger als natürliche Sprache zu verstehen ist, sondern vielmehr als Diskurs im Sinne Michel Foucaults:

Now, in the wake of Foucault’s works, the term used to designate the ways in which language serves not only to denote but also to construct reality is discourse . The term discourse captures the normative function of language, the ways in which language exercises power over our modeling of reality. We believe that discourse most aptly renders Lotman’s sensitivity to the ambivalent function of language, to its ability to convey at once referential and normative representations. [11]

Die andere Gemeinsamkeit, die den semiotischen Räumen und ihren Bewohnern eignen muss, ist - ebenfalls ganz im Sinne Foucaults - das Symbolsystem: „Die nationalen und territorialen Grenzen von Kulturen sind in wesentlichem Maß durch die Einheit einer zentralen Gruppe von dominanten Symbolen und durch deren kulturelle Lebensdauer bestimmt.“ [12]

Eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Symbolsystem sind somit Voraussetzung für das Entstehen einer Kultur, die sich in ihrer räumlichen Ausdehnung gemeinhin in Zentrum und Peripherie unterteilen lässt. Während Sprache und Symbolsystem im Zentrum so starke Gemeinsamkeiten aufweisen, dass die Kommunikation relativ reibungslos verlaufen kann, wird dies an der Peripherie insofern problematisch, als hier die Einwirkungen anderer, systemexterner Sprachen und Kodes zu Veränderungen der gemeinsamen Basis führen können. Auch innerhalb ein- und derselben Kultur ist der Austausch nicht immer unproblematisch. Die Missverständnisse in der Kommunikation sind es aber letztlich - wie weiter unten näher ausgeführt wird -, die zu Veränderungen in der Struktur der Semiosphäre und - beispielsweise auf einer epistemologischen Ebene - zu einem Wechsel zwischen Zentrum und Peripherie führen können.

Die relative geographische Vagheit [13] der Lotmanschen Semiosphäre mag in Zusammenhängen irritierend sein, in denen man ihre Identität z. B. mit Nationalkulturen erwarten würde. In dieser Verweigerung einer genauen räumlichen Festlegung von etwas, das historisch ohnehin als außerordentlich variabel zu gelten hat, liegt aber gerade die große Offenheit des Konzeptes: Eine Semiosphäre kann eine Nationalkultur sein, sie kann aber, in Bezug auf bestimmte z. B. literarhistorische Entwicklungen - man denke etwa an den europäischen Realismus - auch supranationalen Charakter gewinnen [14] . Interessant ist für Lotman weniger die tatsächliche territoriale Bestimmung, als vielmehr die Tatsache, dass innerhalb einer Semiosphäre, in und zwischen den Sprachen, die in ihr aktiv sind, zahlreiche semiotische Prozesse ablaufen, die zu räumlichen Veränderungen innerhalb der Semiosphäre führen können.

Als Sphäre der Kultur ist die Semiosphäre der Ort, an dem - auf der Basis kommunikativer Prozesse - Kultur entsteht, kanonisiert wird und dieser Kanon wiederum ins Wanken gebracht wird. Im Zentrum einer Semiosphäre werden zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrer kulturellen Entwicklung Normen festgeschrieben, Grammatiken entwickelt, die ein wenn auch idealisiertes Bild eines bestimmten Zustands dieser Kultur festhalten sollen. Die in ihnen niedergelegte 'Realität' kann immer nur die des Zentrums sein und entspricht den Gegebenheiten an der Peripherie nur in unzureichender Weise.

Die Stillstellung des Dialogs einer Kultur mit ihren Rändern würde somit zur Erlahmung ihrer Entwicklung und zu ihrer völligen Erstarrung führen. Es sind immer wieder Anregungen nötig, seien sie von jenseits der Grenzen der Semiosphäre oder nur aus ihrer eigenen Peripherie, die mit den angrenzenden Semiosphären in Kontakt steht. Während das Zentrum in einem gewissen Maße selbstbezüglich bleiben muss, ist die Peripherie stets auch nach außen orientiert.

Die relative innere Homogenität der Semiosphäre hat zur Folge, dass es bei der Annäherung an die Ränder zu zahllosen Übersetzungsvorgängen kommt. Die Mehrsprachigkeit, von der die Kultursemiotik ausgeht, führt hier zu produktiven Störungen des Verständnisses. Umgekehrt kann die Fremdheit zwischen den Zeichenbenutzern jedoch auch so groß werden, dass dies die Grenze zwischen dem Inneren und dem Äußeren einer Semiosphäre kenntlich macht. An dieser Grenze geht es nicht mehr allein um die Vielfalt und Heterogenität der unterschiedlichen Codes, sondern auch darum, dass auf der anderen Seite wiederum Zeichenbenutzer agieren, die ebenfalls einen relativ homogenen, wenn eben auch anderen Code verwenden.

Für Lotman ist die Grenze der Raum, der die höchste semiotische Aktivität entfaltet und daher für kultursemiotische Untersuchungen interessant ist. Die Grenze ist dabei allerdings nicht nur als Mechanismus der Schließung nach außen zu verstehen, vielmehr ist sie der Ort, an dem Kontakte mit anderen Semiosphären stattfinden: „Der Begriff der Grenze ist ambivalent: Einerseits trennt sie, andererseits verbindet sie.“ [15] Versteht man Kulturwissenschaft als Schwellenkunde, als eine Disziplin, in der immer wieder liminale Momen te beobachtet und in ihren Auswirkungen beschrieben werden, so sind es die Grenzen und insbesondere der Grenzübertritt, die ins Zentrum des Interesses rücken müssen.

Die Grenze ist inzwischen in den Kulturwissenschaften keine neue Kategorie mehr, vielmehr sprechen z. B. Schönle und Shine von einer regelrechten „infatuation with the margins of culture in cultural studies“ [16] . Als ein Ort zwischen den Orten, an dem Sprachen und kulturelle Systeme zusammenfließen, versteht Lotman das Konzept weniger als Absetzung nach außen als vielmehr als äußerste Ebene der Verhandlung und Übersetzung:

Die Grenze ist immer zwei- und mehrsprachig. Sie ist ein Übersetzungsmechanismus, der Texte aus einer fremden Semiotik in die Sprache 'unserer eigenen' Semiotik überträgt; sie ist der Ort, wo das 'Äußere' zum 'Inneren' wird, eine filternde Membran, die die fremden Texte so stark transformiert, dass sie sich in die interne Semiotik der Semiosphäre einfügen, ohne doch ihre Fremdartigkeit zu verlieren. [17]

Diese Definition der Grenze bei Lotman erinnert nicht von ungefähr an Homi Bhabhas Beschreibung des „third space“ als eines „Schwellenraumes“ [18] , der „gegen Dichotomien, gegen binäre Kategorisierungen“ [19] einschreitet. Die Grenze ist für Lotman ein „Übersetzungsmechanismus“ [20] ähnlich wie für Bhabha der „third space“.

Die Verhandlungen und Übersetzungen führen dazu, dass die Gegebenheiten an der Grenze und mit ihr in der Peripherie der Semiosphäre sich immer weiter von denen im Zentrum entfernen. Die Hegemonie der dort erschaffenen Normen wird damit in Frage gestellt, bis sie durch Überalterung im Gegensatz zu der semiotischen Aktivität der Peripherie gleichsam versteinern. Die Peripherie, die nunmehr ihre eigene „Metasprache“ [21] geschaffen hat, wird immer mehr zu einem eigenen Zentrum und drängt das bisherige an den Rand.

Die Grenzen verlaufen nicht nur zwischen verschiedenen Semiosphären, sondern Grenzziehungen erfolgen auch innerhalb ein und desselben kulturellen Systems. Ebenso wie die Konzepte von Zentrum und Peripherie sind diese inneren Grenzen dynamisch und unterliegen ständigen Verhandlungen [22] .

Die Grenze ist ein „Informationsgenerator“ [23] , der für die gesamte Semiosphäre von großer Bedeutung ist. Sie ist der Ort, an dem die Übersetzungsprozesse stattfinden, deren Ergebnisse gleichzeitig zur Strukturierung dessen dienen, was jenseits der Grenzen der Semiosphäre liegt.

Damit weist Lotman auf ein zentrales Moment hin: Im Sinne einer Schließung nach Außen ist die Grenze in der Tat der Ort, an dem eine Semiosphäre darüber zu reflektieren genötigt ist, was sie ausmacht. Die Distanzierung von systemexternen Phänomenen führt aber nicht nur zu einer Vergewisserung ihrer selbst, sondern im Rahmen der dafür erforderlichen Verhandlungen auch zur Ausmessung des Raums, der als „fremd“ ausgeschlossen wird. Diese Strukturierung des bisher Fremden führt dann wiederum zu einer Infragestellung und Relativierung des Eigenen.

Übersetzung als Grenzphänomen

Die Kommunikation innerhalb der Semiosphäre verläuft weitgehend reibungslos, wenn die verwendete Sprache oder der Diskurs der gleiche ist. Aufgrund der großen Heterogenität der Semiosphäre und der Vielzahl der in ihr gesprochenen Sprachen werden allerdings auch Übersetzungen notwendig. Diese Übersetzungen sind je problematischer, desto unterschiedlicher die Provenienz der beteiligten Kommunikationspartner innerhalb der Semiosphäre ist.

Für Lotman liegt der Augenmerk beim Dialog nicht auf der adäquaten Übermittlung von Informationen. Vielmehr ist es der produktive Mehrwert, der durch die unweigerliche Differenz zwischen Sender und Empfänger zustande kommt, der für ihn von Interesse ist, da er die Entstehung von Kultur zuallererst ermöglicht.

Dabei sind die Voraussetzungen für einen gelungenen Dialog oder kommunikativen Akt vielschichtiger Natur: Es muss, so Lotman, ein gewisses Maß an Asymmetrie zwischen den Gesprächspartnern vorliegen, ansonsten erübrigt sich der Dialog bzw. es wird keinerlei Information übertragen [24] . Diese Asymmetrie darf wiederum nicht zu hoch sein, denn wenn es keinerlei Gemeinsamkeit zwischen den Dialogpartner gibt, dann ist die Kommunikation von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Komplexer und interessanter als die Voraussetzung für den Dialog ist allerdings sein Ablauf selbst: Aufgrund der in semiotischer Hinsicht unterschiedlichen Sprachen der Gesprächsteilnehmer muss eine Übersetzung – hier nicht allein im Sinne der Übertragung von einer Sprache in die andere gemeint – stattfinden, damit es zu einem gelungenen Transfer kommen kann. Der Prozess dieser Übersetzung ist wiederum ein außerordentlich prekärer. Er steht im Mittelpunkt eines jeden Austauschs und ermöglicht ihn zuallererst. Der Dialog ist außer für das Gelingen der Kommunikation auch für die Eindämmung und Bändigung der bestehenden Asymmetrie, für die Überwindung der Grenze zwischen den Sprechern verantwortlich. Bei diesem Vorgang ist die Übersetzung nicht weniger prekär, wenn sie von einer in die andere natürliche Sprache als wenn sie „nur“ zwischen semiotisch unterschiedlichen Codes erfolgen muss.

Sowohl aus übersetzungstheoretischer [25] als auch aus semiotischer Perspektive ist es fraglich, ob es möglich ist, eine Übersetzung so überzeugend zu gestalten, dass die ausgesandte und die empfangene Botschaft tatsächlich vollkommen zur Deckung gelangen [26] . Wahrscheinlicher ist – zumal bei steigender Komplexität dessen, was übertragen wird –, dass es zu einer Veränderung kommt, die, sei sie auch noch so minimal, die Kommunikation beeinflusst. Die ursprüngliche Nachricht wird nicht in exakt der Form verstanden werden, wie sie gedacht war. Es entsteht etwas Neues, ein Mehrwert.

Engländer und Deutsche können einander in völlig befriedigender Weise das Konzept „Vogel“ vermitteln und meinen damit beide eine Klasse von Wirbeltieren, die gemeinhin imstande ist zu fliegen. Insoweit hat die Übersetzung auf der Ebene des sprachlichen Codes funktioniert [27] . Der prototypische Vogel allerdings, den man sich jeweils vorstellt, ist, so behauptet es zumindest die Statistik, ein anderer: Während Deutsche einen Spatzen vor Augen haben, sehen Engländer ein Rotkehlchen [28] . Es entsteht folglich ein minimaler Mehrwert, der das Gelingen der Kommunikation zwar grundsätzlich nicht behindert, sie aber dennoch beeinflusst. [29]

Lotman führt an dieser Stelle in das klassische Kommunikationsmodell von Sender – kodierter Nachricht – Empfänger einen zusätzlichen Begriff ein, den der Geschichte [30] . Für ihn ist die Unterscheidung zwischen „Sprache“ und „Code“ im Sinne Saussures problematisch, da anders als für den Schweizer Linguisten die Dimension der Geschichte, „eine Vorstellung der historischen Ausdehnung von Existenz“ [31] , für ihn stets mitschwingt. Sprache hat demnach nicht nur referentielle Funktion, sondern führt stets normative Aspekte mit, die zur Konstruktion der Realität beitragen. Lotman geht davon aus, dass bei gelingenden kommunikativen Akten ein gewisser Bereich der „Überschneidung“ [32] zwischen den Gesprächspartnern vorliegen muss [33] . Allerdings sieht er an dieser Stelle wiederum einen Widerspruch: „Der Informationsaustausch innerhalb des sich überschneidenden Teils von semantischen Räumen ist noch immer mit dem Makel der Trivialität behaftet“ [34] .

Lotman postuliert, dass die Kommunikation, die keinen oder kaum Mehrwert generiert, da sie sich auf die Überschneidungen der Codes berufen kann – also die im Sinne des klassischen Modells gelungene Kommunikation –, von geringem Interesse für den untersuchenden Semiotiker ist. Vielmehr sind es paradoxerweise die problematischen Aspekte der Kommunikation, die ins Zentrum des semiotischen Interesses rücken:

Den Wert des Dialogs macht nicht jener sich überschneidende Teil aus, sondern die Übermittlung von Information zwischen den sich nicht überschneidenden Teilen. Das stellt uns vor einen unlösbaren Widerspruch: Uns interessiert gerade die Kommunikation mit jenem Bereich, der die Kommunikation erschwert - und sie im äußersten Fall verunmöglicht. Mehr noch, je schwieriger und inadäquater die Übersetzung eines sich nicht überschneidenden Raums in die Sprache des anderen ist, desto wertvoller wird die Tatsache dieser paradoxen Kommunikation in informativer und sozialer Hinsicht. Man kann sagen, die Übersetzung des Nicht-Übersetzbaren ist Träger hochwertiger Information. [35]

In semiotischer Hinsicht interessant sind folglich gerade die Informationen, die über die sich nicht überschneidenden Bereiche mittransportiert werden, die die Kommunikation erschweren oder im Extremfall unmöglich machen. Lotmans paradoxes Fazit lautet, dass die besonders inadäquate Übersetzung (hier sowohl im eigentlichen als auch im semiotischen Sinne verstanden) damit die für den Semiotiker wertvollste sei [36] .

Diese Haltung steht im Kontrast zur traditionellen Übersetzungswissenschaft, die davon ausgeht, dass es sich beim Vorgang der Übersetzung um „den Transport von Bedeutungen von einer Sprache in eine andere“ handelt, „ohne sie jedoch zu ‚interpretieren‘“ [37] . Lotmans Vorstellung von Übersetzung ist hingegen stets auch konkret räumlich, gilt es ihm doch, die Grenze z. B. zwischen verschiedenen Kulturen zu überwinden. Damit nimmt er gleichsam voraus, was die auf den Begriff der Übersetzung aufmerksam gewordene Kulturwissenschaft erst in den letzten Jahren feststellt. So formuliert Doris Bachmann-Medick, die an keiner Stelle auf Lotman verweist, zur Bedeutung der Kultur in dem, was sie translational turn nennt:

Kultur selbst wird als ein Prozess der Übersetzung verstanden - auch im Sinne eines neuen räumlichen Paradigmas von Über-Setzung. Dieses tritt in der Vorstellung von 'Kultur als Reise' […] ebenso zutage wie in Konzepten einer kulturellen Neukartierung der politischen Landkarte […] und in der Konstruktion eines 'third space' als einem spezifischen Handlungs'raum' von Übersetzungprozessen. Mit einem Bein also durchaus im spatial turn , führt die translatorische Wende zu einer grundlegenden Revision des Kulturverständnisses: Das integrative, holistische Kulturverständnis stand noch zu stark im hermeneutischen Bann des Verstehens und Übersetzens kultureller Bedeutungszusammenhänge. Ein dynamisiertes Kulturverständnis hingegen öffnet sich stärker für Praktiken, Aushandlungsprozesse und kulturelle Übertragungssituationen. Mit translatorischem Akzent schließlich macht es den Blick frei für Grenzverhandlungen, für die Fruchtbarkeit der Außensicht und für Umkartierungen eingefahrener Transferrichtungen. Wichtige Anstöße hierzu kommen von postkolonialen Ansätzen, die das Definitions- bzw. Theoriebildungsmonopol der europäischen und amerikanischen Zentren in Frage stellen. [38]

Das vermeintlich so neue und kulturwissenschaftlich relevante Paradigma der Übersetzung findet sich allerdings nicht nur bei Lotman präfiguriert. Bei aller Öffnung der Kulturwissenschaften für periphere Denkansätze muss man doch nicht nur in Bezug auf Lotman selbst feststellen, dass manche Peripherien offensichtlich noch abgelegener sind als andere, so dass ihre fruchtbaren Beiträge zu aktuellen Debatten ungehört bleiben.

Bereits in den 1980er Jahren entwickelt sich in Lateinamerika, insbesondere in Brasilien eine neuere, postkolonial und kulturwissenschaftlich orientierte Tendenz der Übersetzungswissenschaft [39] . Ihre Vertreter legen ebenso wie Lotman das Augenmerk weniger auf die Treue, als vielmehr auf die Notwendigkeit der Interpretation, auf das – wenn man so will – kreative Potential der Untreue. Übersetzung wird dabei als eine (post)koloniale Praxis gefasst, als ein Vorgang, der über die Ausschließung des Unerwünschten zum Dispositiv der Macht im Sinne Foucaults wird, aber auch, verstanden als subversive Strategie, zur Generierung eines Mehrwerts führen kann. Else Ribeiro Pires Vieira, eine der Exponentinnen der lateinamerikanischen Übersetzungs­wissenschaft, formuliert: „Die Übersetzung ist eine Art der Auffüllung und Entleerung. Die Übersetzung ist ein Paradoxon, sie ist Verlust und Gewinn zugleich.“ [40] Dieser „Gewinn“ lässt sich der Formulierung Lotmans von einem im interkulturellen Dialog entstehenden Mehrwert an die Seite stellen [41] .

Der „Verlust“ wird bei ihm ebenfalls konstatiert, jedoch in signifikant andere Worte gefasst: Lotman geht davon aus, dass es bei der Interaktion zwischen Kulturen zu einer Art von unausgesetztem „fine-tuning“ [42] der Informa tionen kommt und dieser Moment – sozusagen die Geburtsstunde des semiotischen Mehrwerts – ist es, worauf er sein Augenmerk richtet.

Dem postcolonial turn in den Kulturwissenschaften sowie insbesondere dem lateinamerikanischen Beitrag zur Translationswissenschaft ist es zu verdanken, dass der Fokus sich nicht mehr auf die Treue der jeweiligen Übersetzung, sondern vielmehr auf das kreative Potential des Übersetzens – das sich mit Lotmans semiotischem Mehrwert gleichsetzen lässt – richtet. Dabei stellen sowohl Rosemary Arrojo als auch Else Vieira mit Bezug auf Oswald de Andrades 1928 erschienenes Manifesto Antropófago [43] die postkoloniale Komponente des Übersetzens ins Zentrum ihres Interesses. In ihren Ausführungen wird deutlich, dass die Übersetzung und insbesondere der schillernde Begriff der Anthropophagie für sie ebenso wie für Lotman stets auch einen deutlichen Zug von Intertextualität trägt.

In Prozessen der Kolonisierung liege der Übersetzung des kolonisierten Textes durch den Kolonisator stets ein ausschließender, selektierender Gestus zugrunde, der als Zivilisierung des bis dato barbarischen Raums verstanden wird, so die These von Susan Bassnett und Harish Trivedi [44] . Sie postulieren zu­nächst einen kolonialen Vorgang der Übersetzung, der nicht auf Dialog ausge­richtet ist, sondern vielmehr auf Entmachtung und Verstummung. Dabei hand­le es sich um ein Verfahren, in dem es dem Kolonisator um Gewalt und nicht um Interaktion ginge. Die Übersetzung dient in diesem Kontext zur Bestäti­gung und Befestigung der europäischen Suprematie [45] und „Definitionsmacht“, die mit einer „Hierarchisierung von Kulturen und Literaturen“ [46] einhergeht [47] .

Anders verhalte es sich mit den Übersetzungen, die in einer postkolonia­len Zeit in den ehemaligen Kolonien verfertigt werden: Ihnen eigne ein Wille zur Anthropophagie, zum Verschlingen der Texte des einstigen Kolonisators bzw. des gesamten ‚alten‘ Europas [48] . Auf dem Weg der Vernichtung werde der Dialog mit diesen Texten allererst ermöglicht, funktioniere doch die ‚Ernäh­rung‘ der postkolonialen Literatur nur durch die Verschlingung ihrer Vorläufer. Um sich selbst eine eigenständige Position zu erschaffen, müsse die koloniale Phase überwunden werden, allerdings nicht in Form von Abweisung, sondern im Gegenteil durch ihre völlige Aneignung.

Auf der Ebene des Vokabulars finden sich im Bereich dieser Theorie bemerkenswerte Analogien zu Lotmans Thesen des kulturellen Austauschs: Der Prozess des „intercultural transfer“ [49] involviert für die Übersetzungstheoretiker, neben der Generierung von Mehrwert, auch die Vernichtung und Überschreibung von Vorläufern, wobei – so wird etwa von Arrojo unterstellt – die postkolonialen Texte dabei im Gegensatz zu den kolonialen nicht bemüht sind, die ursprünglichen Texte völlig zu tilgen, sondern vielmehr mit ihnen in den Dialog treten wollen. Lotman geht davon aus, dass zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt in der über Übersetzungen funktionierenden kulturellen Interaktion die Texte „völlig in der rezipierenden Kultur auf[gehen]“ [50] . Für ihn ist diese Auflösung wiederum nicht mit einer universalistischen Wertung der Dialogpartner verbunden.

Für Vieira ist der postkoloniale Übersetzungsvorgang auf Kreativität, Dialog und eine Pluralisierung von Bedeutung ausgelegt, als ein Verfahren, in dem

[...] the receiving culture will interweave and transform the original one […] translation is no longer a one-way flow from the source to the target culture, but a two-way transcultural enterprise. [51]

Übersetzung wird als Austausch verstanden, der beide beteiligten Kulturen verändert. Der beschriebene Vorgang ähnelt dabei in augenfälliger Weise Lotmans Beschreibung kultureller Interaktion.

Problematisch an Vieiras und Bassnett/Trivedis Auffassung von kolonia­len und postkolonialen Verfahren der Übersetzung erscheinen jedoch zwei Aspek­te. Zunächst die Uneinheitlichkeit der zugrunde gelegten Prozesse: Vieira be­nutzt im Falle der kolonisierten südamerikanischen Kultur einen erweiterten Textbegriff. Sie spricht von einer gesamten Kultur, der ein fremdes, koloniales System oktroyiert wird und das in der Folge aus der Perspektive der Kolonial­macht nur innerhalb der Parameter dieses Systems gelesen wird. Damit ‚ver­stummen‘ Teile dieser Kultur, indem sie unsichtbar werden, da sie innerhalb des aufgezwungenen kolonialen Rasters nicht vorgesehen sind.

Das als postkolonial gelesene Verfahren der Übersetzung hingegen funk­tioniert, so Vieira, über Texte im engeren Sinn. Zwar erfolgt mit der ‚Einver­leibung‘ der Texte auch die der dahinter stehenden Kultur, dieser Vorgang wird jedoch nicht als problematisch, sondern vielmehr als kreativ interpretiert [52] .

Bedeutsamer ist allerdings Folgendes: Es erscheint im Kontext der Translatologie zwar logisch, zwischen den Konsequenzen der kolonialen und denen der postkolonialen Übersetzung zu unterscheiden, allerdings sind die Prozesse, die zur Erstellung der jeweiligen Resultate führen, in auffallender Weise ähnlich. Beide Verfahren sind, um in dieser Metaphorik zu bleiben, solche der Kolonisation und Usurpation, durch die ursprünglich ‚fremde‘ Texte angeeignet und für den eigenen Kontext fruchtbar gemacht werden. Positiv wird diese Form der ‚Kolonisierung‘ einer anderen Kultur letztlich nur durch die Umkehrung der hierarchischen Positio­nen. Vieira und mit ihr ihre Kollegin Rosemary Arrojo versäumen es, in ihren Thesen den eigenen Beobachterstandpunkt zu problematisieren und registrie­ren so nicht, dass sie aus der universalistischen Position heraus argumentieren, die sie selbst an anderer Stelle kritisieren [53] .

Die Problematik liegt dabei in der implizierten Wertung: Die Dichotomie von Kolonisator und Kolonisiertem, Unterdrücker und Unterdrücktem wird letztlich dadurch perpetuiert, dass sie in ihrer postkolonialen Variante reiteriert wird.

Im Kontrast zu den problematischen Aspekten dieser neuen Form postkolonialer Übersetzungstheorie erweist sich gerade die Flexibilität und Dynamik des Lotmanschen Ansatzes, der sich der Wertung enthält und einzig auf semiotische Aktivität abzielt. Prozesse des kulturellen Austauschs - also des Dialogs mit Hilfe von Übersetzung - funktionieren, so Lotman stets in mehreren Stufen der Aneignung. Seine Beispiele entnimmt er dabei wiederum dem Bereich der Literatur bzw. des intertextuellen Einflusses. Von der Lektüre eines Textes in einer fremden Sprache bis hin zum völligen Aufgehen „in der rezipierenden Kultur“ [54] erfolgt die Aufnahme der Texte einer anderen Kultur. Dieser eher passive Prozess der Rezeption führt sodann zu erhöhter Aktivität:

Wenn nun die Anreicherung eine gewisse Schwelle erreicht, werden die inneren Textproduktions-Mechanismen der empfangenden Struktur in Gang gesetzt. Von einem passiven Zustand wechselt sie in einen aktiven und beginnt selbst mit Hochdruck Texte zu produzieren und andere Strukturen - darunter auch die, die ihr als 'Stimulus' diente - damit zu bombardieren. Zentrum und Peripherie tauschen gewissermaßen die Plätze. [55]

Die Positionen von Zentrum und Peripherie sind für Lotman essentiell dynamisch und unterliegen ständigem Wandel [56] . An dieser Stelle unterscheidet der Entwurf Lotmans sich in fundamentaler Weise nicht nur von solchen der postkolonialen Theorie, wo es zwar zu Zuständen der Hybridität kommen kann, wo jedoch die jeweiligen Ausgangspunkte weitgehend fest bleiben [57] . Bei Lotman bleibt keine Peripherie dauerhaft peripher. Zur Generierung wirklich neuer Information, zu einem Ereignis also, kommt es allerdings erst in dem Mo ment - und hier bleibt Lotman sich und seinen strukturalistischen Anfängen treu -, in dem Grenzen überwunden und vielleicht auch dauerhaft verschoben werden. Die Grenzen markieren die Ränder einer Welt. Einzig ihre Überschreitung führt zu einer Veränderung nicht nur im Raum, sondern auch in der Geschichte.

[1]Octavio Paz: „Traducción: Literatura y Literalidad“. In: Ders.: El signo y el garabato. México 1991. S. 63-76. Hier S. 66.
[2]Doris Bachmann-Medick: Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften . Hamburg 2006. Auf den spatial turn folgt dann abschließend der im vorliegenden Kontext weniger interessante iconic turn .
[3]Bachmann-Medick, Cultural Turns , S. 10.
[4]Bachmann-Medick, Cultural Turns , S. 41.
[5]Siehe hierzu etwa den Übersetzungsbegriff bei Homi Bhabha (The Location of Culture umfasst ein ausführliches Kapitel mit dem Titel „How newness enters the world: Postmodern space, postcolonial times and the trials of cultural translation“, S. 212-235) oder den Raumbegriff bei Edward Saïd, Bhabha und anderen postkolonialen Theoretikern.
[6]Amy Mandelker weist zurecht darauf hin, dass aus dieser Position heraus auch die Forderung Lotmans nach der 'richtigen' Perspektive für den Semiotiker entsteht: „[…] Lotman now argues that the outsider's point of view, the marginalized perspective, is the correct perspective for the semiotician of the cultural forms of daily life.“ Amy Mandelker: „Lotman's Other. Estrangement and Ethics in Culture and Explosion “. In: Schönle (Hg.), Lotman and Cultural Studies , S. 59-83. Hier S. 63.
[7]Bachmann-Medick, Cultural Turns , S. 220.
[8]Andererseits birgt diese Verweigerung der Wertung auch eine Gefahr. Wenn jeder Kontakt zwischen Kulturen, so reich an Missverständnissen er auch sein mag, letztlich positiv zu werten ist, so wären Kriege ebenfalls als produktiv zu betrachten. Die Verweigerung einer Wertung ist in diesem Fall auch die Ablehnung einer ideologischen oder politischen Stellungnahme. Die Aufrechterhaltung dieser Wertfreiheit ist im Sinne eines neutralen Beobachterstandpunkts wichtig, man könnte ihr jedoch den Vorwurf eines gewissen Zynismus machen. Die Kultursemiotik Lotmans teilt dieses ‚Problem‘ mit einer Reihe weiterer postmoderner Theoriegebäude: Weder in der Systemtheorie Niklas Luhmanns noch in Michel Foucaults Diskursanalyse wird dem Beobachter eine andere als die neutrale Haltung zugedacht; auch in diesem Fällen ist er dazu aufgerufen, sich der Wertung zu enthalten.
[9]Siehe hierzu auch Schönle/Shine: „Although Lotman is perhaps not as single-minded in his analysis of the nexus between cultural production and power, this volume discusses his conceptualization of the semiotic expression of power.“ Schönle/Shine, „Introduction“, S. 23.
[10]Manuskript, S. 147.
[11]Schönle/Shine, „Introduction“, S. 8. Hervorhebung im Original.
[12]Manuskript, S. 134.
[13]Jonathan H. Bolton weist darauf hin, dass sie in der Tat ein wesentlicher Bestandteil von „many fruitful concepts“ sei (Ders.: „Writing in a Polluted Semiosphere. Everyday Life in Lotman, Foucault and de Certeau“. In: Schönle (Hg.), Lotman and Cultural Studies , S. 320-344. Hier S. 324.
[14]Wobei die Geschlossenheit der Symbolsysteme an dieser Stelle problematisch würde.
[15]Lotman, Die Innenwelt (Manuskript), S. 162.
[16]Schönle/Shine, „Introduction“, S. 23.
[17]Lotman, Die Innenwelt (Manuskript), S. 162.
[18]Bhabha, Verortung der Kultur , S. 5.
[19]Bachmann-Medick, Cultural Turns , S. 203. Ähnlich dem Begriff des „third space“ zeichnet sich auch die Grenze bei Lotman durch „erstaunliche Begriffs- und Konzeptüberschneidungen mit anderen Theorien [aus …]. So hat der amerikanische Stadtplaner und Geograph Edward Soja den Begriff 'thirdspace' geprägt, allerdings im Sinn eines Orts, an dem reale und imaginäre Örtlichkeiten zugleich präsent sind, etwa durch Ballungen der Imagination in Megastädten wie Los Angeles. Henri Lefebvres Theorie von 'other spaces' gehört ebenso in diese Theoriesynergie wie bell hooks' 'margin' und Michel Foucaults 'hétérotopies'.“ Ibid, S. 204.
[20]Lotman, Die Innenwelt (Manuskript), S. 162.
[21]Lotman, Die Innenwelt (Manuskript), S. 152.
[22]Auch bei Michel Foucault spielen die Grenzziehungen durch Institutionen eine bedeutsame Rolle, und auch bei ihm sind sie essentiell dynamisch: „Comment pourrait-on raisonnablement comparer la contrainte de la vérité avec des partages comme ceux-là, des partages qui sont arbitraires au départ ou qui du moins s’organisent autour de contingences historiques; qui sont non seulement modifiables mais en perpétuel déplacement; qui sont supportés par tout un système d’institutions qui les imposent et les reconduisent; qui ne s’exercent pas enfin sans contrainte, ni une part au moins de violence.“ Michel Foucault: L’ordre du discours. Leçon inaugurale au Collège de France pro­non­cée le 2 décembre 1970. Paris 1971. S. 15f.
[23]Lotman, Die Innenwelt (Manuskript), S. 150.
[24]Lotman, Die Innenwelt (Manuskript), S. 150.
[25]Zu einer traditionellen Sichtweise der Übersetzung siehe z. B. Hans Joachim Störig: „Einleitung“. In: Ders.: Das Problem des Übersetzens. Darmstadt 1963. S. VII-XXIII.
[26]Möglich ist dies nach Lotman nicht einmal bei Selbstgesprächen, da auch hier von einem Dialog ausgegangen werden müsse. Siehe hierzu Jurij Lotman: Kultura y vzryv . In: Ders.: Semiosfera . Sankt Petersburg 2000. S. 12-148. Hier S. 15.
[27]Ohne dass er sich auf Lotmans Thesen bezieht, liegt auch für Ottmar Ette in der Betrachtung der Asymmetrie, die auch bei einer vermeintlich gelungenen Übersetzung bestehen bleibt, der Übergang von der Linguistik - aus der auch Lotman ja eine Reihe seiner Konzepte herleitet - zur Kulturwissenschaft: „Walter Benjamins Differenzierung zwischen Intention des Gemeinten und Art des Meinens scheint mir in idealer Weise einer solchen epistemologischen Notwendigkeit zu entsprechen [...]. Mit der Einführung dieser Unterscheidung blickt der Kulturtheoretiker der Tatsache ins Auge, daß das von verschiedenen Sprachen gemeinte Objekt dasselbe sein kann, daß sich die unterschiedlichen Sprachen in der Art des Meinens aber grundsätzlich voneinander unterscheiden, insoweit – so könnten wir Benjamin deuten – der deutsche Terminus ‚Brot‘ dem französischen ‚pain‘ gegenüber in einen völlig anderen kulturellen Kontext, in eine andere Geschichte, eingerückt ist. Epistemologisch bedeutet die von Benjamin eingeführte Unterscheidung für uns den Sprung von der Linguistik (und zum großen Teil auch von einer traditionell ausgerichteten Literaturwissenschaft und Komparatistik) hin zur Kulturwissenschaft. [...] Die von Benjamin vorgetragene Erkenntnis schärft [...] unseren Blick dafür, daß sich die Vermittlung der Übersetzung nicht im luftleeren Raum direkt und unmittelbar vollzieht, sondern daß eine Reihe von Filtern dazwischengeschaltet ist, die den eigentlichen Übersetzungsprozeß ebenso bezüglich der Ausgangs- wie der Zielkultur determinieren. Optisch gesprochen akkomodieren wir nicht mehr auf das Ergebnis, sondern den vorgeschalteten interkulturellen Prozeß des Übersetzens.“ Ottmar Ette: „Mit den Worten des Anderen. Die literarische Übersetzung als Herausforderung der Literaturwissenschaft“. In: Claudius Armbruster/Karin Hopfe u. a. (Hg.): Horizont-Verschiebungen: Interkulturelles Verstehen und Heterogenität in der Romania. Festschrift für Karsten Garscha zum 60. Geburtstag. Tübingen 1998. S. 13-33. Hier S. 28.
[28]Siehe hierzu John R. Taylor: Linguistic Categorization. An Essay in Cognitive Linguistics . Oxford 1989. S. 77f.
[29]Die brasilianische Übersetzungstheoretikerin Rosemary Arrojo exemplifiziert dieses Problem in sehr ergiebiger Weise an einer von Fragen der Übersetzungstheorie geleiteten Analyse von Jorge Luis Borges Pierre Ménard : „Selbst wenn es einem Übersetzer gelänge, einen bestimmten Text vollständig zu wiederholen, könnte seine Übersetzung doch niemals das ganze ‚Original‘ wiedergewinnen, sie wiese unweigerlich die Spuren einer bestimmten Rezeption, einer Interpretation dieses Textes auf, der nun wieder gelesen und interpretiert werden und niemals vollständig dechiffriert oder kontrolliert werden kann.“ Rosemary Arrojo: „Pierre Menard und eine neue Definition des ‚Originals‘“. In: Michaela Wolf (Hg.): Übersetzungswissenschaft in Brasilien: Beiträge zum Status von ‚Original und Übersetzung. Tübingen 1997. S. 25-34. S. 32.
[30]Im Kommunikationsmodell Roman Jakobsons entspricht das in etwa dem Kontext, ist allerdings weiter gefasst.
[31]Lotman, Kultur und Explosion , S. 11.
[32]Lotman, Kultur und Explosion , S. 12.
[33]Vgl so auch Ottmar Ette: „[d]er übersetzende Text [... kann] nur in Worte der Zielsprache fassen, was in dieser überhaupt denkbar ist oder sich doch an den Grenzen des Denkbaren befindet.“ Ette (1998), S. 22.
[34]Lotman, Kultur und Explosion , S. 13.
[35]Lotman, Kultur und Explosion , S. 13.
[36]Aus der Perspektive des Schriftstellers kommt auch Jorge Luis Borges zu diesem Schluss. Ihm erscheinen ebenfalls diejenigen Übersetzungen am Interessantesten, die dank ihrer Untreue interkulturellen Kontakt erforderlich machen und ermöglichen. Er spricht von ihrer „infidelidad creadora y feliz“ (Obras completas . Buenos Aires 1989. 3 Bde. Hier Bd.1, S. 410). Siehe hierzu auch Dominique Jullien: „In Praise of Mistranslation: The Melancholy Cosmopolitanism of Jorge Luis Borges“. In: Romanic Review 98,2-3/2007. S. 205-223.
[37]Rosemary Arrojo referiert hier die Position von Eugene Nida (Language Structure and Translation . Stanford 1982): „Stellt man sich den Übersetzungsvorgang als den Transport von Bedeutungen von einer Sprache in eine andere vor, dann geht man davon aus, dass der Ausgangstext unveränderlich, ‚transportierbar‘ und wohldefiniert ist und sein Inhalt sich vollständig und objektiv bestimmen lässt. Wenn die Wörter eines Satzes wie Waggons sind, ist es möglich, ihren gesamten Inhalt zu bestimmen und zu überprüfen und sicherzustellen, dass er vollständig in andere Waggons umgeladen wird. Vergleicht man den Übersetzer mit dem Frachtführer, so brauchte er nur dafür zu sorgen, dass die Güter unversehrt ihr Ziel erreichen. Übersetzen hieße dann, Bedeutungen transportieren, ohne sie jedoch zu ‚interpretieren‘.“ Arrojo (1984), S. 25f. Lawrence Venuti (1995) spricht in diesem Zusammenhang von der „Unsichtbarkeit“ des Übersetzers, die das Ideal einer gelungenen Übersetzung sei (The Translator’s Invisibility. A History of Translation . London/New York 1995).
[38]Bachmann-Medick, Cultural Turns , S. 247.
[39]Siehe hierzu Wolf (1997) aber auch Susan Bassnett/Harish Trivedi (Hg.): Post-Colonial Translation: Theory and Practice. London/New York 1999. Es ist bedauerlich, dass dieser fruchtbare und interessante Ansatz von der deutschen Kulturwissenschaft nahezu völlig ignoriert wird. Obwohl sich die Vorstellungen Bachmann-Medicks und auch Fuchs' mit denen Vieiras und Arrojos in einigen zentralen Punkten überschneiden, beschränkt sich die Wahrnehmung auf eine Fußnote in Bachmann-Medicks jüngster Publikation (Doris Bachmann-Medick: Cultural Turns: Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften. Reinbek 2006).
[40]Else Ribeiro Pires Vieira: Por uma teoria pós-moerna da tradução . Belo Horizonte 1992 (Dissertation, unpubliziert). Zitiert nach Raffaela de Filippis: „Der Übersetzer als Engel oder Teufel. Die Schicksale einer Metapher von Rónai bis Derrida“. In: Wolf (1997), S. 51-62. Hier S. 56.
[41]Salman Rushdie geht ebenfalls von einem solchen ‚Gewinn‘ aus: „Having been borne across the world, we are translated men. It is normally supposed that something always gets lost in translation; I cling, obstinately, to the notion that something can also be gained.“ Salman Rushdie: Imaginary homelands: Essays and criticism, 1981-1991. London/New York 1991. Hier S. 17.
[42]Wolfgang Iser: „Intertextuality: The Epitome of Culture“. In: Renate Lachmann: Memory and literature : intertextuality in Russian modernism. Minneapolis 1997. S. vii-xiii. Hier S. xii. Iser setzt sich explizit mit Lotman und den von ihm postulierten Mechanismen des kulturellen Dialogs auseinander: „If culture, as Lotman has maintained, is an all-encompassing mechanism instituted by humankind for converting entropy into information in order to ensure survival, the question arises if to how such a mechanism can be generated. [...] What we are inclined to call culture is not an entity, but, rather, a cybernetically operating structure. The conversion of entropy into information develops in a constant interchange between output and input. This interchange is organized by a continual recursive looping, in sequence of which the initial output returns as a corrected input, so that the information received can be fed into further outputs. Such a procedure adjusts future projections to past performances, which leads to a continual fine-tuning of subsequent outputs.“ S. xif.
[43]Oswald de Andrade: „Manifesto Antropófago (Em Piratininga Ano 374 da Deglutição do Bispo Sardinha)“. In: Revista de Antropofagía 1/1928.
[44]Susan Bassnett/Harish Trivedi: „Introduction: Of Colonies, Cannibals and Vernaculars“. In: Dies. (Hg.): Postcolonial Translation: Theory and Practice . London/New York 1999. S. 1-18.
[45]Basnett/Trivedi (1999), S. 6.
[46]Doris Bachmann-Medick: „Multikultur oder kulturelle Differenzen? Neue Konzepte von Weltliteratur und Übersetzung in postkolonialer Perspektive“. In: Deutsche Vierteljahres­schrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 68,4/1994. S. 585-612. Hier S. 589.
[47]Allerdings geht es Vieira dabei weniger um die Übersetzung konkreter Texte, als viel­mehr um ein vom Zentrum der Kolonialmacht ausgehendes Verständnis der kolonisierten Kultur als ‚übersetzt‘.
[48]Basnett/Trivedi (1999), S. 4f. Bassnett/Trivedi, Vieira und Arrojo beziehen sich in ihren Ausführungen deutlich auf den brasilianischen Modernismo und den gerade im Zusammenhang mit dem Begriff der Anthropophagie zentralen Text von Oswald de Andrade (Manifesto antropófago ), der das Paradigma des zurückschlagenden Kolonialreichs plastisch macht. Siehe hierzu auch Petra Schumm: „Götterboten im Land der Anthropophagen? Neueres Übersetzungsdenken in Brasilien“. In: Birgit Scharlau (Hrsg.): Übersetzen in Lateinamerika . Tübingen 2002. S. 177-202.
[49]Bassnett/Trivedi (1999), S. 2.
[50]engl., S. 147.
[51]Else Ribeiro Pires Vieira: „Liberating Calibans. Readings of Antropofagia and Harold de Campos’ poetics of transcreation“. In: Basnett/Trivedi (1999), S. 95-113. Hier S. 106.
[52]Else Ribeiro Pires Vieira: „Eine postmoderne Übersetzungstheorie“. In: Wolf (1997), S. 103-116. Hier S. 106. Hervorhebung im Original.
[53]Zur Problematik von Universalismus und Relativismus in Bezug auf die postkolonial ge­prägte Debatte zur Übersetzung siehe auch Martin Fuchs: „Übersetzen und Übersetzt-Wer­den: Plädoyer für eine interaktionsanalytische Reflexion“. In: Bachmann-Medick (Hg.): Übersetzung als Repräsentation fremder Kulturen. Berlin 1997. S. 308-328, vor allem S. 309f.
[54]Lotman, Die Innenwelt (Manuskript), S. 176.
[55]Lotman, Die Innenwelt (Manuskript), S. 172f.
[56]„Lotman's notion of the semiosphere […] emphasizes shifting boundaries and hierarchies, permutations between the center and the periphery, mediations and translations, isomorphic relations between events on the micro and macro levels, and unity through diversity. The organicist metaphor of the semiosphere serves not to essentialize discourse but to restore to it a sense of unceasing life, of the continuous metabolic exchanges discourses undergo when they are thrown into the world.“ Schönle/Shine, „Introduction“, S. 7.
[57]Bolton weist darauf hin, dass z. B. die Thesen Foucaults und de Certeaus lediglich von einer Reiterierung gegebener Machtstrukturen ausgehen: „Foucault and de Certeau, we might say, both offer a 'semiosphere without translation'. In Foucault, the 'target' language of the everyday is missing; the extension of discipline does not generate new meanings but simply re-creates the existing power of disciplinary structures. For de Certeau, the 'source language' of the everyday self is absent; its interventions into dominant discourses cannot be lasting because it does not itself represent a stable perspective.“ Bolton, „Writing in a Polluted Semiosphere“, S. 333.

Kommentar

Cornelia's analysis begins with a translation. She begins with a brief discussion of two key terms within postcolonial studies – space and translation – in order to suggest possible contributions of Lotman’s cultural semiotics to postcolonial studies. Her aim is to situate the more peripheral figure of Lotman within central debates about space and translation today. This is an operation working on at least two levels: a work of translation of categories that enables a confrontation between postcolonial studies and Lotman’s cultural semiotics. As I hope to show through my commentary on Cornelia’s paper, Lotman’s semiotics are above all concerned with moments of information generation , and a staged dialogue between his cultural semiotics and postcolonial theory produces a semiotic surplus that provides the arguments for Cornelia’s second operation: an argument for the inclusion of Lotman within the canon of postcolonial studies. Lotman has much to offer postcolonial studies, because he is one of the most perceptive cultural semioticians of the border, which is where for him the greatest amount of semiotic activity takes place, generating informational and transformational surpluses.

Lotman was himself active on the periphery. In contrast to such prominent theorists such as Bhabha, Said, and Spivak, who taught or teach at North American universities, Lotman was doubly peripheral at the University of Tartu in Estonia: Teaching within the Soviet system, he was peripheral to the West, at the same time that his satellite university was peripheral to the center of the Soviet Union. Nevertheless, and here I fully agree with Cornelia, Lotman developed a very productive arsenal of concepts, methods, and objects of analysis to understand the cultural dynamics of specific literary texts, material objects such as blue jeans, as well as geographical regions and historical epochs. Though sometimes difficult to comprehend in his more structuralist moments, it is this focus on the dynamics of semiotic processes which is fruitful. Cornelia provides a nice sentence which encapsulates the key structures of this dynamic:

“Culture constitutes for Lotman the precondition for the emergence of new information – as a result of more or less successful processes of translation – on which it simultaneously feeds. The space in which culture unfolds is the semiosphere.” (3)

The term semiosphere builds the kernel of Lotman’s cultural semiotics, formed the focus of his revival here in Konstanz, and is sometimes quite difficult to understand in a concrete sense. I had a very productive discussion about two years ago with Cornelia about the definition of the semiosphere in the context of one of my dissertation chapters, where I analyzed the eighteenth-century German writer Christoph Martin Wieland’s writings on aesthetics and politics as constituting a semiosphere of humanism . I was mostly attracted by Lotman’s description of the constitution of a semiosphere as a process whereby an imaginary unity of meaning gets formed as a meta-text operating at the center which requires the displacement of interferences onto the periphery. This move results in a meta-level projection of an imaginary unity to organize the internal irregularity of the semiosphere around a central system of meaning. In other words, a semiosphere is marked by a separation from its exterior and irregularity in its interior. In effect, a dynamic process between the levels produces asymmetrical effects between the meta-level (unity) and the more fluid semiotic landscape constructed in relation to the limits of the discourse (Lotman, 294-95). In the case of Wieland’s humanism conceived as a semiosphere, the physical spatiality is more difficult to grasp, as we are talking about the distribution and constitution of meaning within his text corpus: novels, epics, essays, and the semantic effects of his activities as editor of a journal. Of course, this semiosphere operates within the parameters of a German-language public and is connected to the construction of political and cultural national borders and their cosmopolitan traversal. The reason for my excurse here is not shameless self-marketing, but rather to point out that, despite its spatial figuration, a semiosphere is not simply to be understood as a matter of spatiality, but also includes this semantic level. It is rather a strange intersection of spaces and codes.

As Cornelia points out, the conditions for the construction of a semiosphere are, according to Lotman, a common language and system of symbols, although I don’t think you can talk about a causal priority here. These are highly constructive and normative elements – which can be thought of along the lines of Foucault’s sense of discourse – that are localized in geo-political spatialities organized into center and periphery. Structures in other words are treated as normative and historical. It is really the peripheral zones of the border that interest Lotman, for they are where most of the action takes place: where communication breaks down, concentrated processes of translation occur, and transformations of the central culture are generated. Cornelia’s analysis here is very much concerned with thinking transformations of the cultural center as a “transformation in the structure [my italics] of the semiosphere,” which can amount to “an exchange [Wechsel ] between center and periphery” [“Die Missverständnisse in der Kommunikation sin des aber letzlich – wie weiter unten näher ausgeführt wir -, die zu Veränderungen in der Struktur der Semiosphäre und – beispielsweise auf einer epistemologischen Ebene – zu einem Wechsel zwischen Zentrum und Peripherie führen könnten”] (4). Here we encounter a stumbling point for my translation: how do we translate the German word “Wechsel” here? Are we talking about a reversal of the structural center and periphery, in which center changes into periphery and vice versa, or rather an exchange between center and periphery that leads to changes (Veränderungen ) in the discursive and symbolic structures (see p. 5)?

Lotman is an innovative thinker of the border and its traversal. It’s a much different notion of the border than that found in systems theory or Carl Schmitt’s thought. For them, the border marks a clear demarcation, or cut, between inside and outside, friend and enemy, system and non-system. For Lotman in contrast, the border, as Lotman says, both divides and connects (6). Cornelia describes the processes of translation which enable this, in my terms, dialectical function of the border as the site where a semiosphere comes in contact with another. This zone of contact is marked by negotiation (Verhandlung ) and translation (Übersetzung ). Let me quote Cornelia’s citation of a passage from Lotman’s text The Innerworld:

The border is always bi-and multilingual. It is a mechanism of translation which transfers the texts of a foreign semiotic into the language of “our own” semiotic; it is the site where the “outer” becomes the “inner,” a filtering membrane which transforms the foreign texts so starkly that they adapt to the semiotic of the semiosphere, without however losing their foreignness. -- (Innerwelt , 162; Ruhe, 6)

These border regions can themselves convert into new semiospheres by developing their own meta-languages that in turn demarcate the previous center as a new outer limit or periphery to this semiosphere formed out of a sort of “third space” (7). Quoting now Cornelia:

The border is a “generator of information” which has significance for the entire semiosphere. It is the site at which processes of translation occur, whose results simultaneously serve the structuring of that which lies beyond the borders of the semiosphere. (7)

In the next section on “translation as liminal phenomenon,” Cornelia turns to Lotman’s account of the all important production of semiotic surplus . This account is rooted in his theory of communication, according to which the discrepancy between sender and receiver gives rise to misunderstanding during a dialogue and thereby enables “culture.” Asymmetries between sender and receiver require acts of translation to enable the exchange of information. Unavoidably and particularly in the case of complex messages, the translation influences the communication, producing something new, as a surplus of communication (9). Semiotic recoding in the semiosphere is thought along the lines of this analogy to the processes of translation among speakers in an asymmetrical communication setting: for Lotman, a dialogue is always structured by an asymmetry between sender and receiver. Translation is both an epistemological dimension of communication as well as a translation of one language into another. Both activities occur within the frame of one or more semiospheres. This is not merely a frame of reference , but also a normative framework that shapes the experience of the world. Lotman calls this framework history (10). When communication functions relatively smoothly, this is because of intersections of the historical worlds of semantic spaces. However, such exchanges of information are for Lotman mostly trivial. More significant are the eruptions of surplus in those moments in which the histories of semiospheres or dialogue partners do not intersect . As Lotman puts it: “the translation of the non-translatable is the bearer of high-grade information” [die Übersetzung des Nicht-Übersetzbaren ist Träger hochwertiger Information ] (Kultur und Explosion , 13; Ruhe, 11).

The emphasis in Lotman’s cultural semiotics on the act of translation as a generator of surplus significance and as a figure of the traversal of cultural, historical, and spatial borders anticipates the turn to the theory and practice of translation in postcolonial studies as it has been prevalently institutionalized in North American and European universities. Furthermore, Cornelia’s paper argues that developments during the 1980s in Latin America, and in particular in Brazil, reveal approaches to translation which are attentive to the necessity of translation as an interpretive process as well as to the “creative potential of infidelity” to the text (13). In the writings of Else Ribeiro Pieres Vieira and Rosemary Arrojo, Cornelia discovers a, pardon the expression (it’s mine), proto-postcolonial theory of translation read as a paradoxical loss and gain, which resembles Lotman’s theory of the semiotic surplus of intercultural dialogue. Now my own personal semiosphere comes into contact with its limits, when Cornelia refers to the concept of anthropophagy [Anthropophagie ], for me a foreign semantic entity (14). The reference is to Oswald de Andrades’ Manifesto Antropófago from 1928.

According to Susan Bassnett’s and Harish Trivedi’s introduction to their edited volume, Postcolonial Translation: Theory and Practice from 1999, colonial translations rely on a fundamental exclusionary, selective gesture which enacts the ideology of a civilizing process. Instead of dialogue, these colonial acts of translation barbarize the translated texts and institute a hierarchy of cultures and literatures (15). As a counter-strategy to this violent practice of colonial translation, the recent Brazilian theorists of translation Vieira and Arrojo advocate a form of anthropophagy, in which postcolonial translations devour (verschlingen ) the texts of the former colonizers (15). Cornelia describes this cannibalization thus:

A dialogue with these texts is first enabled by way of annihilation [Vernichtung ], yet the “nourishment” of postcolonial literature only functions through the devouring of its precursors. In order to create an independent position for a postcolonial literature, the colonial phase has to be overcome, not in the form of rejection, but instead through its complete (mis)appropriation [Aneignung ]. (15)

In this model of cannibalistic translation Cornelia sees a remarkable analogy to Lotmon’s model of cultural exchange: in similar fashion, Lotman argues that at a certain point of cultural border-crossing-through-translation texts or codes are dissolved or cancelled [Auflösung ] by the receiving culture, without however ascribing a value to the dialogue partner (16). I suspect this might be a rather sanguine reading of Lotman here. If for Lotman the codes, symbols, and languages of a semiosphere always have a normative and constructive function, I doubt the translation can take place without normative effects of one sort or another.

In any case, Vieira describes postcolonial translation as a transformative process for the participating cultures: “[…] the receiving culture will interweave and transform the original one […] translation is no longer a one-way flow from the source to the target culture, but a two-way transcultural enterprise” (Ruhe, 16). Cornelia criticizes, however, this model of postcolonial translation for reiterating and thereby perpetuating the hierarchal dichotomies of colonizer and colonized – rendered as a relation between translated and translating literary texts against the backdrop of cultural transfer. A mere reversal of the positions of colonizer and colonized is figured as the cannibalizing translator: the originally “foreign” text (mis)appropriates the act of colonization by nourishing itself on the former colonizer’s texts and traditions. The form or process remains the same; what has changed is merely the occupiers of the positions within the hierarchy.

For this reason, the flexibility and dynamism of Lotman’s approach to semiotic activity contains the potential for a productive theory of processes of translation within the postcolonial context. It should be recalled that, according to Lotman’s model, cultural exchange, understood as an asymmetrical dialogue through translation, functions through multiple grades of (mis)appropriation (17). Using the example of the reception of a “foreign” literary text, Lotman describes the work of translation:

If the enrichment reaches a certain threshold, the inner mechanisms of text-production of the receiving structure are set into motion. The structure changes from a passive condition into an active one and begins itself with high pressure to produce texts and with them to bombard other structures – including the one that served it as a stimulus. Center and periphery exchange to a certain extent places. (Lotman, Die Innenwelt , 172; Ruhe 17-18)

Not fixed into hierarchies or ossified structures, the positions of center and periphery in Lotman’s model of the semiosphere are constitutively dynamic and constantly undergoing change. The model offers on the one hand an alternative to a conception of hybridity or a third space in which the two points of departure remain intact. As Cornelia puts it: “According to Lotman, no periphery remains peripheral in the long term” (18). The generation of new information can only happen when borders are overcome and continually displaced. Their traversal, as Cornelia concludes, “leads to a transformation not only in space, but also in history” (18).